menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Ein Buchladen als säkulares Bethaus

17 0
previous day

24. August 2026 – 11. Elul 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Ein Buchladen als säkulares Bethaus

Rachel Salamander schuf in München einen Ort, an dem jüdische Literatur, Erinnerung und Gegenwart aufeinandertreffen – sie bewahrt ihn in roten Ordnern und auf klapprigen Kassetten

Die Ausstellung ist nicht groß. Sie zieht sich über nur zwei, drei ineinander übergehende Räume der Monacensia, dem Literaturarchiv der Stadt München im Hildebrandhaus. Das »Haus« ist eine Villa aus dem Jahr 1900 (mit eigener jüdischer Geschichte), in ihrer architektonischen Großzügigkeit und dem Zwiebelturm ein Blickfang im Stadtteil Bogenhausen, und unten fließt schon immer die Isar.

Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv ist im Mai mit viel städtischer, aber auch landesweiter Aufmerksamkeit eröffnet worden. Die Schau, die bis ins Jahr 2028 zu sehen sein wird, ist ein Kleinod. Sie birgt viel, und man wundert sich, wie das möglich ist auf so wenigen Quadratmetern und angesichts der Tatsache, dass es sich hier um die Sichtbarmachung eines Archivs handelt, in dessen Zentrum Hunderte (»40 laufende Meter«) über Jahrzehnte von Rachel Salamander angelegte rote Aktenordner stehen.

Großformatige Porträtfotografien von Autorinnen und Autoren

Das kuratierende Team (Anke Buettner, Leiterin der Monacensia, Patrick Geiger und Sylvia Schütz) fand zu einem klugen, vitalen Konzept, das Zugänglichkeit, Offenheit und auch mediale Vielgestaltigkeit offeriert. Für die Besucher stellen großformatige Porträtfotografien einen schnellen Kontakt zu einzelnen Autoren und Autorinnen her.

Die Abbildungen von Rachel Salamander selbst, wunderbare Fotografien, die sie in Aktion in ihrer »Literaturhandlung« vor, neben oder zwischen Büchern zeigen, lassen Zeiten und Orte wiederaufleben. Auch die vielsagenden Zitate der Autorinnen und Autoren, alle irgendwann einmal Gäste der Literaturhandlung, die in abgerundeten Rechtecken die Wände bespielen, bringen Leben ins altehrwürdige Ambiente.

Wenn am Abend gelesen wurde, war die Stimmung eine ganz besondere.

Wenn am Abend gelesen wurde, war die Stimmung eine ganz besondere.

Anordnung und Farbgebung unterstützen die Ideen der Kuration auf der ästhetischen Ebene, lassen einen authentischen, atmosphärischen Raum entstehen, der nachfühlbar über Jahrzehnte zurück bis in die alte Bundesrepublik reicht, der aber integrierbar und offen fürs Heute bleibt. Worte wie »Das heißt reden, reden, reden und Fremdheitsgefühle abbauen« hallen........

© Juedische Allgemeine