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Balagan auf der Zunge

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24.05.2026

24. Mai 2026 – 8. Siwan 5786

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Balagan auf der Zunge

Zwischen Frena-Ofen und French Malawach: Das EAT Tel Aviv Food Festival zeigt, wie Israels Küche Traditionen aus aller Welt aufgreift, neu mischt und daraus ein lebendiges Geschmacks-Chaos macht

Dor Zaguri greift nach dem noch warmen Brot aus dem Frena-Ofen. Dann werden mit schnellen Handgriffen Schicht für Schicht die Zutaten hineingestopft: Asado, gebrannte Tomaten, Mashuia, Gewürze, jede Menge Rucola. Um den Chefkoch von »Frena Ba’Shouk« herum klirren Teller, irgendwo zischt Fleisch auf dem Grill, Stimmen vermischen sich mit Musik und Meeresrauschen. Es ist einer dieser Abende am Tel Aviver Strand – laut, ungestüm und voller Energie. Genau dieses Lebensgefühl steht im Mittelpunkt des EAT Tel Aviv Food Festivals, das in diesem Jahr seine zehnte Ausgabe feierte.

Vier Tage lang verwandelten sich die Rasenflächen des Charles-Clore-Parks in eine offene Bühne für Israels Esskultur. Spitzenrestaurants aus dem ganzen Land, Streetfood-Stände, Gastköche, Live-Musik und lange Schlangen vor den beliebtesten Ständen trafen auf die berühmten Sonnenuntergänge über dem Wasser.

Wer sich durch das Festival treiben ließ, merkte schnell: Es geht um weit mehr als Essen. Zwischen dampfenden Tellern und provisorischen Stehtischen zeigte sich eine Kulinarik, die sich nur schwer in eine einzelne Definition pressen lässt. Sie wurde über Jahrzehnte durch unterschiedlichste Einflüsse geprägt: aus Nordafrika, Europa, Südamerika, dem Nahen Osten, dem Mittelmeerraum. Jüdische Gemeinden brachten kulinarische Traditionen aus Marokko, dem Jemen, Polen, Deutschland, dem Irak oder Äthiopien mit. Hinzu kamen arabische Einflüsse und internationale Trends. Daraus entstand keine einheitliche statische Küche, sondern eine, die lebt und sich ständig verändert.

In Tel Aviv treffen überlieferte Familienrezepte auf moderne und manchmal auch unerwartete Kombinationen

Gerade Tel Aviv gilt als hyperkreatives Labor. Hier treffen überlieferte Familienrezepte auf moderne und manchmal auch unerwartete Kombinationen. Viele Gerichte stehen unter dem Motto »Sharing means Caring«, sie werden also geteilt. Teller wandern über den Tisch, Gespräche ziehen sich bis spät in die Nacht. Essen ist in Israel selten bloß Mahlzeit – es ist Begegnung, Diskussion und Identität. Das EAT Tel Aviv Food Festival bringt diese Vielfalt einmal im Jahr an einem Ort zusammen.

»Es geht nicht um strenge kulinarische Regeln, sondern um Neugier.« Chefkoch Yinon Elal

»Es geht nicht um strenge kulinarische Regeln, sondern um Neugier.«

Restaurants, die sonst oft Wochen im Voraus ausgebucht sind, servieren ihre bekanntesten Gerichte zu erschwinglichen Preisen. Etablierte Namen stehen neben jungen Köchen, neue Konzepte neben jahrzehntealten Rezepten. Nach einer schwierigen Zeit für Israel soll die........

© Juedische Allgemeine