Alte Bekannte, neue Bündnisse
06. Mai 2026 – 19. Ijar 5786
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Alte Bekannte, neue Bündnisse
Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten
Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren, dabei befindet sich das Land noch mitten im Kriegszustand. Und nicht nur gegen einen Feind, sondern gleich drei: das iranische Regime, die Hisbollah im Norden und die Hamas in Gaza. Trotzdem gilt das Gesetz. Bis spätestens Ende Oktober müssen Wahlen für eine neue Knesset abgehalten werden.
Während sich neue Parteien bilden, Lager, Allianzen und Gegenallianzen geschmiedet werden, zeigen die Umfragen noch immer ein überwiegend politisch blockiertes System – auch hier scheinen die Fronten verhärtet. Würde heute gewählt, käme keine Seite aus eigener Kraft auf eine Mehrheit von 61 der 120 Sitze im Parlament.
Im Zentrum der dynamischen Entwicklung steht ein neues Bündnis: Die Ex-Premierminister Naftali Bennett und Yair Lapid, derzeitiger Oppositionsführer und Vorsitzender von Jesch Atid, treten gemeinsam mit einer Liste namens Bejachad (Zusammen) an. Die beiden kennen sich schon lange. In der Einheitsregierung, die ab Juni 2021 für etwas mehr als ein Jahr an der Macht war, wechselten sie sich auf dem Premiersessel ab. Laut einer aktuellen Umfrage von Kanal 12 käme der Zusammenschluss auf 26 Sitze und läge damit knapp vor der rechtskonservativen Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die derzeit 25 Mandate auf sich vereint.
Im israelischen System aber zählt nicht nur die Stärke einzelner Parteien, sondern vor allem die Macht der Blöcke. Und hier zeigt sich ein Patt wie bereits in den Jahren zuvor: Netanjahus rechtes Lager kommt in den meisten Umfragen auf etwa 50 bis 57 Sitze, die Opposition erreicht 52 bis 60, hinzu kommen arabische Parteien mit neun bis elf Mandaten. Ohne deren Unterstützung könnte also keine Seite eine Regierungskoalition auf die Beine stellen.
Und hier liegt der neuralgische Punkt des Wahlkampfs. Sowohl Netanjahu als auch Bennett schließen offiziell eine Koalition mit arabischen Parteien aus. Zumindest erklären sie das öffentlich, denn die politische Realität hinter den Kulissen ist komplexer. Bennett und Lapid hatten 2021 ein Bündnis mit der arabischen Ra’am-Partei geschlossen, um Netanjahus Koalition abzulösen.
Ra’am-Chef Mansour Abbas erinnert regelmäßig daran und geht noch weiter. Er betont, dass Israel »immer ein jüdischer Staat bleiben wird«. Eine Aussage, die ihm in Teilen der arabischen Wählerschaft Kritik eingebracht hat, zugleich aber als Brücke in die jüdische Mehrheitsgesellschaft........
