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»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

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06.10.2026

06. Oktober 2026 – 25. Tischri 5787

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»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk kannten einander nicht, als ihrer beider bisheriges Leben am 7. Oktober 2023 jäh zerrissen wurde. Ihre Töchter waren im Süden des Landes, als Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen in Israel einfielen, Carolin Bohl bei einem Freund im Kibbuz Nir Oz, Shani Louk auf dem Nova-Festival. Sonja Bohl-Dencker erfuhr am Tag nach den Massakern, dass ihr einziges Kind in einem Schutzraum erschossen worden war. Nachdem unerträgliche Bilder von Shanis Körper auf einem Pick-up in Gaza, von Umstehenden verhöhnt, um die Welt gingen, hatte Ricarda Louk fast einen Monat lang noch die Hoffnung, dass ihre Tochter am Leben sei. Am 30. Oktober 2023 belegten forensische Funde, dass sie bereits am 7. Oktober ermordet worden war. In ihrer unvorstellbaren Trauer sind die beiden Mütter zu Freundinnen geworden.

Frau Louk, Frau Bohl-Dencker, wie haben Sie zueinander gefunden?Ricarda Louk: Der damalige deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, hat uns vernetzt. Er fragte, ob er meine Telefonnummer weitergeben dürfe. Das war relativ spät, erst Anfang 2025. Ich war überrascht, dass es noch eine Deutsche gibt, sogar in Deutschland, die auch so vom 7. Oktober betroffen ist. Das hatte ich gar nicht gewusst. Das kam nicht in den Nachrichten. Dann hat Sonja mich kontaktiert, und wir haben gleich einen Video-Call gemacht. Das tat uns beiden sehr gut. Wir haben Ähnliches erfahren, und natürlich können die Menschen um einen herum das nicht wirklich verstehen. Das kann man nur von Mutter zu Mutter.

Und danach haben Sie öfter telefoniert?Louk: Ja, und uns auch getroffen. Ich glaube, für Sonja war es wichtig, weil sie noch isolierter ist als ich. In Israel ist der Zusammenhalt groß. Es gibt Organisationen, die sich kümmern, und Zusammenkünfte von Betroffenen. Das hat Sonja gefehlt. Es ist gut, dass wir uns unterhalten und uns regelmäßig treffen.

Sonja Bohl-Dencker: Es hat ein bisschen gedauert, weil ich Berührungsängste hatte. Ich war sehr unsicher. Aber als ich Ricarda dann geschrieben habe, dachte ich: Wie blöd war ich denn, dass ich das nicht schon längst getan habe. Es war für mich eine große Hilfe, jemanden zu haben, der den gleichen Verlust ertragen muss, mit dem ich auch auf Deutsch sprechen kann, und von jemandem vor Ort zu erfahren, wie es in Israel aussieht. Wir haben immer wieder Kontakt gehabt, geschrieben und telefoniert. Das erste Mal getroffen haben wir uns im vergangenen Jahr im Juli. Da bist du nach Nir Oz gekommen, als ich dort war.

Louk: Und dann später noch einmal.

Wie fängt man ein Gespräch über diesen unvorstellbar großen Schmerz an?Louk: Jede hat erzählt, wie es bei ihrer Tochter war, wie sie dahin gekommen ist. Es war tatsächlich leichter als erwartet. Wir haben uns gleich verstanden.

Bohl-Dencker: Dadurch, dass wir das gleiche Schicksal haben, haben wir uns, wie man so platt sagt, auch ohne Worte verstanden.Louk: Und dann haben wir Ähnlichkeiten zwischen unseren Töchtern festgestellt.

Bohl-Dencker: Beide wurden im Februar 2001 geboren, beide waren künstlerisch so begabt. Beide waren Tanzmäuse. So habe ich meine Tochter jedenfalls immer genannt: Tanzmaus. Natürlich waren sie nicht identisch, aber beide konnten sich toll bewegen. Carolin wäre auch gern auf das Nova-Festival gegangen. Sie hatte davon erfahren, aber sie wollte ja am 7. Oktober zurückfliegen, da hat sie sich dagegen entschieden.Louk: Und beide waren so offen. Shani hatte Freunde auf der ganzen Welt. Herkunft und Religion waren ihr egal.

Bohl-Dencker: Carolin war auf Festivals vor allem in Deutschland unterwegs. Aber vom Wesen her war sie genauso.

Sie haben die Schwierigkeiten in Deutschland angesprochen, wo Carolins Schicksal kein großes Thema war. Haben Sie eine Erklärung dafür gefunden, woher das kommt?Louk: Ich war schon verwundert, gerade weil über Shani von Anfang an relativ viel berichtet wurde. Hinterher habe ich verstanden, dass Sonja sich am Anfang nicht interviewen lassen wollte. Und dann war es........

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