»Wenn es nötig wird, wollen wir bereit sein«
25. August 2026 – 12. Elul 5786
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»Wenn es nötig wird, wollen wir bereit sein«
Die Familie Wertheimer durchlebt das Dilemma unserer Zeit: Wo fühlen sich Juden noch sicher?
Wenn man ein Leben gelebt hat wie Stephen Wertheimer, dann ist Sarkasmus ein überaus nützliches Werkzeug. Und so hat der aus Ludwigsburg bei Stuttgart stammende New Yorker sich auch mit 91 Jahren seinen bissigen Humor bewahrt.
»Wir haben es gut hier«, sagt er während eines Zoom-Gesprächs aus Boca Raton in Florida, wo er in einer komfortablen Seniorenwohnanlage lebt. »Wir haben das beste Wetter in den USA und eine der faschistischsten Staatsregierungen.« Zum Glück, fügt er hinzu, sei er als Jude nicht mehr Ziel des Trump-getreuen Gouverneurs Ron De Santis, anders als seine lateinamerikanischen und afroamerikanischen Mitbürger. Ansonsten entgeht ihm jedoch nicht die Ironie: »Mein Leben wird an beiden Enden vom Faschismus markiert.«
Vom Maßnahmenstaat in den Normenstaat
Wertheimer zögert nicht, diesen Begriff für die Regierung von US-Präsident Donald Trump zu benutzen. Die Sache sei für ihn klar. Aus den USA deshalb zu fliehen, so wie seine Eltern mit ihm 1938 nach Amerika geflohen sind, kommt ihm dennoch nicht in den Sinn. Es sei denn, die Dinge kommen viel schlimmer und schwappen, im Vokabular des Staatstheoretikers Ernst Fraenkel, vom Maßnahmenstaat in den Normenstaat hinüber.
Die deutsche Erinnerungskultur hat Stephen Wertheimer beeindruckt.
Die deutsche Erinnerungskultur hat Stephen Wertheimer beeindruckt.
Bislang beeinträchtigen die Schauerlichkeiten, welche die Trump-Regierung etwa gegenüber Einwanderern begeht, das Leben durchschnittlicher Amerikaner kaum. Dennoch ist Wertheimer froh, dass er schon vor 17 Jahren die ihm zustehende deutsche Staatsbürgerschaft wieder angenommen hat. Nicht so sehr für sich selbst wie für seine Nachkommen. »Ich bin sehr glücklich, dass sie diese Optionen haben.«
An die politische Lage hatte er allerdings nicht gedacht, als ein Arbeitskollege ihm damals von einem Anwalt erzählte, der für deutschstämmige Juden in den USA die Formalitäten einer Wiedereinbürgerung übernehme. Es ging ihm vielmehr darum, dass seine noch jungen Enkel mit einem EU-Pass die Möglichkeit haben, in Europa zu studieren und zu arbeiten – »ein enormer Vorteil«. Ein Vorteil, von dem seine Enkel bereits ausgiebig Gebrauch gemacht haben.
Berührungsängste mit dem modernen Deutschland
Berührungsängste mit dem modernen Deutschland hatte Stephen Wertheimer damals auch nicht. Seine Besuche hätten ihn davon überzeugt, dass die Deutschen sich hinreichend ihrer Vergangenheit gestellt haben, sagt er. Nicht zuletzt in seiner Heimat Ludwigsburg, wo man vor dem Gebäude, das einst die Metallwarenfabrik seines Vaters beheimatete, Stolpersteine verlegte. »Ich war zur........
