»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«
22. Februar 2026 – 5. Adar 5786
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»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«
»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft
Frau Scherbakowa, der Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine jährt sich zum vierten Mal. Hätten Sie sich im Februar 2022 vorstellen können, dass im Februar 2026 immer noch Krieg herrscht?Ich hätte mir bis zum Februar 2022 nicht vorstellen können, dass Russlands Präsident Wladimir Putin sich tatsächlich zu einem solchen Krieg entschließt – obwohl das in gewisser Weise eine Form des Wegsehens war. Denn alle Anzeichen waren ja schon da: der Truppenaufmarsch an der Grenze oder die aggressive Propaganda gegen die Ukraine. Dass dieser Krieg jedoch nicht so schnell enden würde, das war mir von Anfang an klar. Denn anders als Putin war ich davon überzeugt, dass die Ukraine Widerstand leisten würde.
Hat man in Deutschland Ihrer Meinung nach mittlerweile verstanden, welche Gefahren von einem Russland unter Putin ausgehen können?Ich denke, dass die Situation heute natürlich eine andere ist als zu Beginn des Krieges, als es noch viele merkwürdige Illusionen gab – leider auch bei zahlreichen deutschen Politikern. Deshalb wurden Entscheidungen darüber, ob und wie der Ukraine geholfen werden kann, sehr langsam getroffen. Wertvolle Zeit ging so verloren. Übrigens zeigte sich die Zivilgesellschaft deutlich solidarischer: Schon zu Beginn des Krieges wurde Geflüchteten aus der Ukraine umfassend geholfen. Heute sehe ich mehr Entschlossenheit, aber es gibt weiterhin viele, die in alten pazifistischen Denkmustern gefangen sind und sagen: Das ist nicht unser Krieg.
Es gibt hierzulande Politiker, die nach wie vor die Schuld an dem Konflikt beim Westen sehen und zu Verhandlungen und einem Ende der Sanktionen aufrufen. Wie erklären Sie sich diese Haltung?Das sind häufig Politiker und Personen aus ganz unterschiedlichen politischen Lagern. Es gibt jene, die weiterhin – direkt oder indirekt – mit dem Putin’schen Regime verbunden sind oder waren, wirtschaftlich und sogar politisch. Ich spreche hier auch von Kräften, die hoffen, dass der Krieg endet und alles wieder irgendwie »wie früher« wird. Die Ukraine interessiert sie überhaupt nicht. Daneben gibt es Menschen, bei denen die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg sehr eigentümlich gebrochen ist: Schuldgefühle oder ein Pazifismus mögen dafür Erklärungen sein, vor allem aber eine Angst vor Russland, das sie für vollkommen unbesiegbar halten. Sie haben oft........
