»Die schönste Synagoge der Welt«
08. Oktober 2026 – 27. Tischri 5787
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»Die schönste Synagoge der Welt«
Nach aufwendiger Renovierung wurde der Wiener Stadttempel feierlich wiedereröffnet
Die Seitenstettengasse 4 ist nicht irgendeine Adresse in Wien. Die enge Straße mit Kopfsteinpflaster führt vom Ufer eines Seitenarms der Donau hinauf zur romanischen Ruprechtskirche. Autos fahren hier keine, stattdessen reihen sich Bars aneinander. Am oberen und unteren Ende stehen immer – und wirklich immer – Soldaten oder Polizisten. Grund ist ein eher unscheinbarer Bau auf der linken Seite.
Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, dass das klassizistische Gebäude, das den Anschein erweckt, es wäre ein Wohnhaus, gar keines ist. Sondern der alte Stadttempel, die Hauptsynagoge Wiens – ein Gebäude, das gleichermaßen für das jüdische Selbstbewusstsein wie für die Verfolgung steht. »Die Weigerung zu verschwinden, ist Ausdruck des freien Geistes«, fasst es die Künstlerin Timna Brauer bei der Wiedereröffnung des Tempels vor den Gästen des Festakts zusammen.
Gut zehn Monate lang war die Synagoge eine Baustelle. Fenster, Böden, Heiz-, Klima- und Sanitäranlagen, aber auch die Sicherheitseinrichtungen wurden generalüberholt. Unter der Leitung von KENH Architekten und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt ging es auch um die Wiederherstellung der historischen Anmutung des Raums. Immer wieder sei man auf Originalteile gestoßen, zitiert der »Kurier« den Architekten Eric-Emanuel Tschaikner. So sei der ursprüngliche Steinboden im Innenhof restauriert worden, und unter der Bima habe man den 200 Jahre alten Boden aus Budapester Marmor entdeckt. Aber auch die Barrierefreiheit war ein Thema.
Die Wiedereröffnung war ein Staatsakt mitsamt Bundespräsident und Bundeskanzler
Der Abschluss der Renovierung und das 200-jährige Bestehen wurden zusammen gefeiert. Und wenn diese Wiedereröffnung den Status der jüdischen Gemeinschaft in Wien und ganz Österreich abbilden sollte, ergibt sich ein imposantes Bild. Der Festakt war ein Staatsakt mitsamt Bundespräsident, Bundeskanzler, stellvertretenden Parlamentspräsidenten, Abgeordneten, Landeshauptleuten, dem Wiener Bürgermeister sowie christlichen wie islamischen Würdenträgern.
»Das ist ein gesellschaftliches Zeichen«, kommentierte der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer die Anwesenheit von derart viel Prominenz. Ein Zeichen dafür, »dass jüdisches Leben hier in Wien einen starken und zentralen Platz hat, und dass in die Zukunft investiert, hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut wird«. Auch wenn eine prächtige Synagoge wie die in der Seitenstettengasse hinter einer vergleichsweise unauffälligen Fassade versteckt sei.
»Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker – für alle.« Oskar Deutsch
»Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker – für alle.«
Wie der Tempel vor 200 Jahren gestaltet wurde, liegt an den Umständen, unter denen er erbaut wurde. Mit dem Toleranzpatent von 1782 hatte Regent Joseph II. nicht-katholische Gebetshäuser grundsätzlich zugelassen. Jüdische Ghettos wurden aufgelöst, Sondersteuern für Juden abgeschafft. Dieses........
