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»Bienen muss man respektieren«

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11.09.2026

11. September 2026 – 29. Elul 5786

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»Bienen muss man respektieren«

Wie bei vielen Juden steht bei den Gempels zu Rosch Haschana Honig auf dem Tisch. Doch bei ihnen kommt er aus dem eigenen Garten. Ein Ausflug nach Leipzig

Im Garten der Gempels in Leipzig stehen fünf Boxen, die ein wenig an Briefkästen erinnern: Unten haben sie einen Schlitz. Durch den kommen aber keine Briefe, sondern Bienen. Fleißig sausen sie hinein und hinaus. Ganz langsam öffnet Peisah Gempel nun einen der Kästen, die aus mehreren Etagen bestehen. Dann zieht er aus einer der Zargen vorsichtig einen Holzrahmen: Hunderte Bienen wimmeln auf den perfekt sechseckigen Waben, krabbeln über- und untereinander, surren mit den Flügeln.

Das plötzliche Tageslicht scheint sie nicht von ihrer emsigen Arbeit abzubringen. »Man sagt, dass Bienen ruhig bleiben, wenn man selbst ruhig ist«, flüstert Anna Gempel. »Man muss Bienen respektieren, dann respektieren sie einen auch. Ich habe sogar einmal gelesen, dass sie die Gesichter ihrer Imker erkennen!«. Dann muss sie grinsen. Denn Peisah trägt zum Schutz einen engmaschigen Schleier vor dem Gesicht. »Na ja, vielleicht erkennen sie uns eher am Geruch!«

Die zwei Imker aus Leipzig wollen zeigen, wie Honig entsteht

Kurz vor dem jüdischen Neujahr haben Peisah und Anna Gempel in ihren Garten eingeladen. Die zwei Imker aus Leipzig wollen zeigen, wie der Honig entsteht, der bei so vielen jüdischen Familien an Rosch Haschana als »Siman« auf dem Tisch steht – auch bei ihnen. »Wir tauchen traditionell Äpfel in den puren Honig und wünschen uns ein süßes Jahr!«, erklärt Anna.

Der jüdische Feiertagsmarathon, der mit dem Neujahr beginnt und mit Simchat Tora Anfang Oktober endet, läutet auch für die Imker eine neue Saison ein: »Wir haben den letzten Honig Mitte August entnommen und lassen die Bienen sich nun auf den Winter vorbereiten«, sagt Anna Gempel. Ihr Mann findet noch eine Parallele: »Am Ende der Feiertage, an Schemini Azeret, beten wir in der Synagoge das erste Mal für den Regen. Und dann ist es auch für die Bienen Zeit, sich vor der Witterung in ihren Stock zurückzuziehen.«

Mit seinen dicken Imkerhandschuhen deutet Peisah nun auf eine Biene mit winzigen, leuchtend orangen Knubbeln am Körper. »Das sind die Blütenpollen«, erklärt er. Anna tritt näher und zeigt mit ihren bloßen Fingern auf die Hinterbeinchen des Tiers. »Sie hat an den Waden extra Körbchen, um sie zu transportieren«, sagt sie fasziniert. Sie erklärt, dass die Biene die Blütenpollen mit ihren Härchen sammelt, sie mit Speichel zu Bällchen formt und diese so in den Stock bringt.

»Jede Larve hat das Potenzial, zu einer Königin zu werden!«

»Jede Larve hat das Potenzial, zu einer Königin zu werden!«

Dort vermischt sie in einer Wabe die Krümelchen mit Nektar und ihrem eigenen Speichel, sodass die Masse fermentiert. »Das Ergebnis nennt man Bienenbrot und ist ihre Nahrung für........

© Juedische Allgemeine