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Drei unbequeme Wahrheiten zur Wahl in Baden-Württemberg

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09.03.2026

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in der Politik kann auch ein starkes Ergebnis eine schwache Machtbasis verursachen. Diese Erfahrung macht der CDU-Mann Manuel Hagel gerade, der Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden wollte. Hagel hat zwar im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren am Sonntag ordentlich hinzugewonnen und liegt über den bundesweiten Werten der CDU. Nächster Ministerpräsident wird aber wohl der Grüne Cem Özdemir.

in der Politik kann auch ein starkes Ergebnis eine schwache Machtbasis verursachen. Diese Erfahrung macht der CDU-Mann Manuel Hagel gerade, der Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden wollte. Hagel hat zwar im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren am Sonntag ordentlich hinzugewonnen und liegt über den bundesweiten Werten der CDU. Nächster Ministerpräsident wird aber wohl der Grüne Cem Özdemir.

Denn die Grünen gewannen die Wahl mit 30,3 Prozent, während die CDU auf 29,7 Prozent kam. Drittstärkste Kraft wird die AfD mit 18,8 Prozent, in den Landtag kommt noch die SPD, mit rekordverdächtig schlechten 5,5 Prozent.

Aus dieser Wahl nehme ich drei Lehren mit, die übers Ländle hinausweisen:

Es gibt eine Kluft zwischen Unternehmern und Bevölkerung: Das Beeindruckendste am CDU-Wahlkampf war die Phalanx der schwäbischen Mittelständler, die sich hinter den Spitzenkandidaten stellte. Noch am Wochenende schworen etwa Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller oder die Trigema-Erben Wolfgang jr. und Bonita Grupp die Wähler auf Hagel ein. Ohne Erfolg. Wer als Unternehmer seine Interessen in die Politik bringen will – und angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes wäre das sinnvoll –, muss sich schon fragen lassen: Wie kann es besser funktionieren, dass Unternehmer und Nicht-Unternehmer nicht so aneinander vorbeireden?

Der Kandidat entscheidet: Die Menschen im Südwesten wollten Özdemir als Ministerpräsidenten, aber die CDU als stärkste Partei. Tatsächlich schlägt Kandidat mittlerweile wohl Partei, ein Trend, der sich schon bei anderen Wahlen andeutete. Für die Parteien der Mitte auf Bundesebene ist das eine schlechte Nachricht: Beliebte Spitzenleute sind dort Mangelware.

Die Mitte kannibalisiert sich: Es bewarben sich zwei eher konservativ-mittige Kandidaten, deren beide Parteien landeten jeweils bei um die 30 Prozent. Das gab es auf Bundesebene schon länger nicht mehr. Doch der Schein trügt: Wer sich die Wählerwanderungen anschaut, lernt: Die Mitte verschiebt vor allem Wählerinnen und Wähler untereinander – nennenswert Menschen, die AfD wählen, holt keine Partei zurück.

Und nun? Wird sich im Bund der ein oder andere Regierende unbequeme Fragen stellen müssen. Weder für CDU-Kanzler Friedrich Merz noch für seine Partner von der SPD war das ein erbaulicher Abend. Im Ländle dagegen bleibt vermutlich alles wie es war: Es regiert, wie schon seit 2015, Grün-Schwarz. Oder, wie Özdemir es am Sonntagabend ausdrückte:


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