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Meta, Google und die Sucht

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Liebe Leserinnen und Leser,

wer jüngere Kinder hat, kennt den wahren Alltagskampf. Es geht nicht um Hausaufgaben, nicht um Süßigkeiten, nicht um die halbe Stunde Üben am Klavier – sondern um die Frage: Wie viel Bildschirmzeit darf’s denn heute sein? Und Bildschirmzeit heißt aus Sicht unserer Kinder (9 und 11) eben nicht „Logo!“ oder „Sendung mit der Maus“, sondern Minecraft, Netflix-Serien ab 12 Jahren (oder noch besser ab 16) und Chatten mit den Freunden auf WhatsApp.

Wenn unsere Kinder diesen Kampf dann (viel zu oft) gewonnen haben, verändert sich etwas. Das Zappeln hört auf, das Quatschen, die Lust am Entdecken von Dingen, die Albernheit. Stattdessen: stoisches Starren, bei Minecraft wird immerhin noch die Schnelligkeit der Finger gefordert. Der Rest des Körpers ist im Stand-by-Modus, wenn überhaupt.

Wenn unsere Kinder diesen Kampf dann (viel zu oft) gewonnen haben, verändert sich etwas. Das Zappeln hört auf, das Quatschen, die Lust am Entdecken von Dingen, die Albernheit. Stattdessen: stoisches Starren, bei Minecraft wird immerhin noch die Schnelligkeit der Finger gefordert. Der Rest des Körpers ist im Stand-by-Modus, wenn überhaupt.

Wir haben deshalb früh entschieden, das eigene Smartphone möglichst lange hinauszuzögern. Stattdessen gab es eine Uhr, mit der man auch (und nur) telefonieren kann. Auch wenn unsere Kinder nun jeden Tag lauthals beklagen, sie seien die Letzten, wirklich die Allerletzten in ihren Klassen ohne eigenes Gerät, haben wir dem Drängen bislang standgehalten.


© Handelsblatt