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Wer sich über die Erhöhung des Spitzensteuersatzes aufregt, hat unser Steuersystem nicht kapiert

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Der Aufschrei ist so erwartbar wie verfehlt. Kaum deutet die Union an, für eine große Steuerreform auch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes mitzutragen, bricht ein Sturm der Entrüstung los: Jetzt wollen die auch noch die Steuern erhöhen!

Das stimmt so zwar nicht, aber egal. Ohnehin werden Reformvorschläge kaum mehr sachlich diskutiert, sondern sofort skandalisiert. Und in der Steuerpolitik fällt das besonders leicht, weil die Materie kompliziert ist.

» Lesen Sie auch: Mehr arbeiten, mehr zahlen? Eine „Merz-Steuer“ wäre ein Widerspruch in eigener Sache

Was viele außer Acht lassen: Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ist nicht gleichbedeutend mit einer Steuererhöhung. Entscheidend ist nicht nur, ob der Steuersatz 42 oder 47 Prozent beträgt, sondern auch ab welcher Einkommenshöhe er anfällt. Erst ab der Grenze, derzeit sind es gut 69.000 Euro, wird der Spitzensteuersatz fällig. Niemand zahlt ihn auf sein gesamtes Einkommen.

Der Aufschrei ist so erwartbar wie verfehlt. Kaum deutet die Union an, für eine große Steuerreform auch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes mitzutragen, bricht ein Sturm der Entrüstung los: Jetzt wollen die auch noch die Steuern erhöhen!

Das stimmt so zwar nicht, aber egal. Ohnehin werden Reformvorschläge kaum mehr sachlich diskutiert, sondern sofort skandalisiert. Und in der Steuerpolitik fällt das besonders leicht, weil die Materie kompliziert ist.

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Was viele außer Acht lassen: Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ist nicht gleichbedeutend mit einer Steuererhöhung. Entscheidend ist nicht nur, ob der Steuersatz 42 oder 47 Prozent beträgt, sondern auch ab welcher Einkommenshöhe er anfällt. Erst ab der Grenze, derzeit sind es gut 69.000 Euro, wird der Spitzensteuersatz fällig. Niemand zahlt ihn auf sein gesamtes Einkommen.

Das bedeutet: Auch Spitzenverdiener profitieren von Steuersenkungen im unteren und mittleren Bereich. Die meisten können also trotz höherem Spitzensteuersatz entlastet werden. In dem jetzt diskutierten Modell geht es um eine Steuersenkung von gut 20 Milliarden Euro für 98 Prozent der Steuerzahler.


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