Theorie gut, Praxis schlecht – das Elend mit dem Emissionshandel
Liebe Leserinnen und Leser,
am europäischen CO₂-Emissionshandel lässt sich sehr schön der Unterschied zwischen ökonomischer Theorie und politischer Praxis ablesen. In der Theorie ist der Handel mit Verschmutzungszertifikaten der beste Weg, um den CO₂-Ausstoß effizient zu reduzieren: Die Zahl der Zertifikate verringert sich nach und nach, dadurch wird der CO₂-Ausstoß mit der Zeit immer teurer und klimaneutrale Technologie im gleichen Maß wettbewerbsfähiger. Obendrein generiert der Handel Einnahmen, mit denen der Staat Bürgerinnen und Bürger aber auch Unternehmen entlasten könnte. Von Grünen bis FDP können sich alle darauf einigen, dass dies der richtige Weg in Richtung Klimaneutralität ist – theoretisch.
In der politischen Praxis ist jedoch irgendwie immer der falsche Moment, um gerade jetzt den CO₂-Ausstoß teurer zu machen. Mal lahmt die Konjunktur, mal sind ausländische Wettbewerber zu stark, mal sind Öl und Gas gerade ohnehin teuer. Echte Argumente mischen sich dabei mit Lobbyinteressen, und beides zusammen findet in der Politik schnell Gehör.
So auch gestern in Antwerpen beim europäischen Industriegipfel. Dort forderte Bundeskanzler Friedrich Merz, beim bestehenden CO₂-Handelssystem in der EU auf die Bremse zu treten. „Das System wurde eingeführt, um die CO₂-Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig den Unternehmen den Übergang zu CO₂-freien Produktionslinien zu ermöglichen“, sagte Merz:
Hintergrund: Eigentlich ist ab 2027 die Ausweitung des Emissionshandels auf Gebäude, Straßenverkehr und bestimmte industrielle Sektoren geplant. Teile der Industrie warnen,........
