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Der wohl einzige Ort, an dem sich High-Performer-Eltern wohlfühlen

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13.02.2026

Mein Sohn, 15 Monate, hasst Spielplätze. Er will nicht klettern. Er will keinen Sand anfassen. Er will nicht mal schaukeln. Wenn ich ihn in eine Kleinkindschaukel setze, schaut er mich mit traurigen, großen Augen an, als wolle er sagen: „O.k., ich mach’ das mit, weil du es bist.“

Viel lieber geht er in Kindercafés. Damit meine ich nicht die Trampolin- und Hüpfburghöllen in schrill-bunten Tönen. Sondern gediegene Cafés in Millenial-Core-Ästhetik, häufig mit Makramee und bedeutungsschweren Sprüchen an der Wand, wo eine Portion aufgeschäumte Biomilch (Babyccino) gern drei Euro kostet. Zwei Stunden in einem Little Bunny oder Chiquito kosten gern mal 20 Euro, wenn man sich zum Eintritt von sechs oder sieben Euro pro Nase noch eine zuckerfreie Bananenwaffel gönnt.

Dafür gibt es keinen klebrigen Sand. Das findet mein Sohn gut.

Das erste Mal betreten habe ich ein Kindercafé lange vor meiner Schwangerschaft. Damals war ich im Baby Bee in Düsseldorf-Pempelfort, um einen Gutschein für eine Kollegin abzuholen. Auf der Spielfläche waren vier, fünf Kinder im Alter von etwa zwei Jahren, die allesamt aussahen, als wären sie einer Benetton-Kampagne entsprungen.

Mein Sohn, 15 Monate, hasst Spielplätze. Er will nicht klettern. Er will keinen Sand anfassen. Er will nicht mal schaukeln. Wenn ich ihn in eine Kleinkindschaukel setze, schaut er mich mit traurigen, großen Augen an, als wolle er sagen: „O.k., ich mach’ das mit, weil du es bist.“

Hier kamen also die beigen Babys her (ich habe mich schon länger gewundert, wer sich ausgedacht hat, kleine Kinder in gedeckten Tönen zu kleiden). Die Mütter saßen am Rand und unterhielten sich leise bei Latte macchiato. „Warum sehen die eigentlich besser aus als ich nach jedem Urlaub?“, fragte ich mich. So entspannt schienen sie.

Dafür gibt es keinen klebrigen Sand. Das findet mein Sohn gut.

Das erste Mal betreten habe ich ein Kindercafé lange vor meiner Schwangerschaft. Damals war ich im Baby Bee in Düsseldorf-Pempelfort, um einen Gutschein für eine Kollegin abzuholen. Auf der Spielfläche waren vier, fünf Kinder im Alter von etwa zwei Jahren, die allesamt aussahen, als wären sie einer Benetton-Kampagne entsprungen.

Hier kamen also die beigen Babys her (ich habe mich schon länger gewundert, wer sich ausgedacht hat, kleine Kinder in gedeckten Tönen zu kleiden). Die Mütter saßen am Rand und unterhielten sich leise bei Latte macchiato. „Warum sehen die eigentlich besser aus als ich nach jedem Urlaub?“, fragte ich mich. So entspannt schienen sie.

Mein Blick wanderte weiter zu einem Schild über der Tür zum Wickelraum. Dort stand in Holzbuchstaben wohl ursprünglich „Goodie“. Aber ein O ist heruntergefallen, und nun stand da nur noch: „Go die“. Ich habe das als Wink mit dem Zaunpfahl interpretiert und das Café zügig verlassen.

Doch der Schrecken hielt nicht lange an

Mittlerweile habe nicht nur ich, sondern auch mein Partner sämtliche Kindercafés in Düsseldorf gescoutet. Wir besitzen mehrere Zehnerkarten für Baby Bee und Co. Wir sitzen auf Bodensofas, trinken Iced Matcha Latte und beobachten unseren Sohn, der einen minzfarbenen Zweiteiler trägt und sich Bauklötze aus spuckefestem Holz in den Mund steckt. Wir nicken den anderen Eltern freundlich zu zur Begrüßung. Ähnlich, wie wir es im Büro tun. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum wir diese Cafés so feiern.

Genau genommen ist das ja die Elternzeit-Variante von Co-Working-Spaces. Ähnlich fancy, ähnlich teuer, mehrstündige Slots, die man im Vorhinein online reservieren kann – mit Sicherheit sind wir dieselbe Zielgruppe. Nur gibt es in Kindercafés mehr Spielzeug. (Obwohl ich ja auch schon in Büros gearbeitet habe, in denen es riesige Sitzsäcke und Trennwände aus überdimensionalen Legosteinen gab).

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Außerdem – und das verstehe ich jetzt erst so langsam – geben uns Kindercafés ein Stück Selbstwirksamkeit zurück. Hier gibt es Struktur – in dieser Ecke ist Bauen angesagt, in der dort drüben Verkleiden. Hier können wir entspannen, während unsere kleinen Mitarbeiter Eistüten aus Holz verkaufen.

Wir können heimlich beobachten, ob unser Team vielleicht besser performt als die anderen. Und niemand rollt mit den Augen, wenn einer der Minikollegen einen Wutanfall bekommt und seinen Babyccino durch die Gegend wirft. Wie im echten Leben stehen wir da drüber. Wir sind ja professionell.

Agatha Kremplewski ist Redakteurin beim Handelsblatt und Mutter eines einjährigen Sohns. Alle zwei Wochen berichtet sie in der Kolumne „Rabenmutter“ darüber, wie sich Kind und Karriere unter einen Hut bringen lassen – oder eben auch nicht.

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