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Das Behörden-Pingpong ist nicht hilfreich

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15.01.2026

Kai Wegner hat in der Stunde der Not falsch gehandelt. Den Fehler muss der Regierende Bürgermeister jetzt ausbügeln.

Diesen Jahresbeginn werden die Berliner so schnell nicht vergessen: Zwei Tage nach Neujahr zeigte ein Anschlag auf eine Kabelbrücke, wie verwundbar das Stromnetz der Hauptstadt ist. Betroffen waren mehr als 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbekunden. Ein erheblicher Teil der rund 100.000 Betroffenen musste fünf Tage ohne Strom auskommen – bei eisiger Kälte. Ein solches Ereignis verlangt von einem Regierenden Bürgermeister glaubhaftes Mitgefühl und gutes Krisenmanagement.

Mitgefühl wird in der Politik seit jeher durch Bilder vermittelt. Das mag man bedauern, sagt ein Foto im Krisengebiet doch wenig über tatsächliche Empathie aus. Dennoch ist die Erwartung der Bevölkerung berechtigt, ein guter Landesvater müsse sich in einer solchen Lage umgehend ein Bild vor Ort machen. Politiker treffen Entscheidungen oft anders, wenn sie selbst die Not der Betroffenen gesehen haben. Kai Wegners Entscheidung, nicht am Anschlagstag im Südwesten Berlins präsent zu sein, war deshalb ein Fehler.

Dass der CDU-Politiker stattdessen mit seiner Lebensgefährtin und Parteifreundin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, für eine Stunde Tennis spielte, weckt Zweifel, ob er rechtzeitig den Ernst der Lage durchschaute. Am Folgetag trotz........

© Frankfurter Allgemeine