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Mainzer Schildbürger

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06.03.2026

Verkehrspolitik : Mainzer Schildbürger

Ein Blick über den Rhein hätte genügt: Dort gilt Tempo 40 auf vielen Hauptverkehrsadern. In Mainz dagegen wird lieber das Prinzip „Hü und Hott“ gefahren.

Die Einführung neuer Verkehrsvorschriften, die ohnehin schon das Zeug dazu haben, als Witz wahrgenommen zu werden, sollte man selbst in einer Narrenhochburg nicht ausgerechnet zum 1. April ankündigen. Von diesem Tag an darf auf der gemeinhin stark frequentierten Rheinachse – je nachdem wo sich der Verkehrsteilnehmer gerade befindet – mal 30, dann wieder 40 und zum Teil 50 Stundenkilometer schnell gefahren werden. Glücklich dürften über den neuesten Schildbürgerstreich der Stadtverwaltung aber nur die wenigsten sein. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass der gut sechs Kilometer lange Weg von Mombach aus mitten durch die Innenstadt bis nach Weisenau schon recht bald noch dazu mit hochmodernen Blitzern gepflastert wird. Was für Vorbeifahrende dann schnell ein ziemlich teurer Spaß werden könnte.

Längst wird es in Mainz und anderen Städten eigentlich von vielen Bürgern gutgeheißen, wenn es in den Zentren verkehrsberuhigte Zonen, reine Fußgängerareale, eigene Fahrradstraßen und einen attraktiven Nahverkehr gibt. Ein paar Verkehrsadern, also wenigstens die größten und wichtigsten, sollten aber trotzdem so gestaltet sein, dass darauf zum Beispiel auch einmal ein Müll- oder ein Möbelwagen, verschiedene Einsatzfahrzeuge sowie Pendler und Besucher zügig vorankommen. Wenn schon nicht mit Tempo 50, dann vielleicht mit 40 Kilometern in der Stunde und mit einer grünen Welle.

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Die Experimentierfreude, mit der stattdessen an der Mainzer Rheinachse,  also der Abfolge von Rheinallee, Peter-Altmeier-Allee und Rheinstraße,  herumgeschraubt wurde und wird, ist genau das Gegenteil dessen, was man ein Verkehrskonzept nennen kann. Und die nun mit Unterstützung des von Bürgern eingeschalteten Stadtrechtsausschusses zusammengezimmerte Lösung – mit schier wahllos aufeinanderfolgenden Tempo-30-40-50-Geboten – taugt ganz sicher nicht, um lärmgeplagte Anwohner und genervte Autofahrer von den Fähigkeiten der städtischen Verkehrsplaner zu überzeugen.

Ausnahmsweise hätte womöglich gar ein Blick nach Wiesbaden genügt, um dieses Mainzer Problem aus der Welt zu schaffen: Denn auf der anderen Rheinseite hat man zumindest bei größeren Ein- und Ausfallstraßen auf Tempo 40 gesetzt, um Lärm zu reduzieren und den Verkehrsfluss möglichst zu erhalten. Auch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber allemal besser, als den Autofahrern alle paar Hundert Meter neue Anweisungen zu geben und sie so mit Hü und Hott durch Mainz zu lenken.

Markus SchugKorrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Rhein-Main-Süd.

Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Rhein-Main-Süd.


© Frankfurter Allgemeine