Über Helden schreibt sie nicht
Büchner-Preis für Wunnicke : Über Helden schreibt sie nicht
Wo findet sie immer diese Figuren? Wie kommt es, dass ihre Entdeckungen eine ganze Welt spiegeln können? Christine Wunnicke ist eine der stilbewusstesten Autorinnen unserer Zeit. Nun erhält sie den Büchner-Preis.
Sie sei philosophisch geboren, nur trage sie es nicht ständig zu Markte. Das entgegnet die Anatomin Marie Bihéron in Christine Wunnickes Roman „Wachs“ dem Schriftsteller Denis Diderot, als er, der seine Philosophie ständig zu Markte trug, sich über ihre Ideen erstaunt. In diesem Satz ist ein Selbstporträt der Autorin enthalten. Auch Christine Wunnicke ist philosophisch geboren, ist eine Schriftstellerin, die etwas zu denken geben will. Durch ein Erzählen, das, obzwar anekdotisch und exemplarisch, sich jeder Moral von der Geschicht’ entzieht. Denn es sind seltene Exemplare, mit denen uns Wunnicke in ihren historischen Romanen bekannt macht und niemals vertraut.
Wer könnte denn auch vertraut sein mit dem zwölfjährigen Mädchen, das mitten in der Nacht auf einem Pariser Kasernenhof erscheint, um von den Soldaten eine Leiche zu erbitten, um sie zu sezieren? Oder mit dem vermeintlichen Medium Florence Cook, das zu untersuchen 1870 der Parapsychologe William Crooke im Roman „Katie“ unternimmt. Oder mit Simon Chrysander, dem schwedischen Biologen, der in „Die Kunst der Bestimmung“ 1678........
