Kein Busfahrer, nirgendwo
Nacht im Flugzeug : Kein Busfahrer, nirgendwo
Fünfhundert Passagiere müssen in München die Nacht im Flugzeug verbringen, weil sie niemand zum Terminal chauffieren kann: Die Busfahrer haben Feierabend. Kann dieses Land denn überhaupt nicht mehr improvisieren?
Ein Flugzeug, das auf dem Rollfeld bleiben muss, weil es wegen starkem Schneefall nicht starten kann: Dafür gibt es einen Rechtsbegriff, „Force Majeure“, höhere Gewalt, die die Fluggesellschaft daran hindert, ihren Vertrag zu erfüllen und ihre Kunden zu transportieren.
Viel schwerer ist es allerdings, dafür einen Begriff zu finden, dass gerade fünfhundert Passagiere ihre Nacht in Flugzeugen verbringen mussten, die aufgrund von Wetterkapriolen in München gestrandet waren, weil es nicht gelang, nachts Busse oder Busfahrer zu organisieren, die sie zum Terminal bringen konnten. Der Vorfall klingt schwer nach Inkompetenz der Verantwortlichen. Ganz sicher trifft das Wort Unverschämtheit den Fluggästen gegenüber zu, die während ihrer Nacht im Flugzeug noch nicht einmal mit ausreichend Decken und Essen versorgt wurden.
Erst fehlten Busse, dann Fahrer
Ein anderer treffender Begriff wäre Scham – darüber, dass man es in einem Land, das sich in Sonntagsreden seiner Innovationskraft und wirtschaftlichen Stärke rühmt, noch nicht einmal schafft, nachts eine Handvoll Busfahrer zu finden, die einmal außerhalb ihrer tariflich vereinbarten Arbeitszeit ihren Dienst tun.
Erst gab es nicht genügend Busse, um alle Passagiere vom Rollfeld ins Terminal zu bringen, so der Flughafen München, und als diese dann wieder frei waren, waren die Fahrer weg – nach Hause gegangen. Zugegeben, mit einem Busfahrer, der morgens um drei Uhr genervte Passagiere transportiert, anstatt zu schlafen, möchte man ungern tauschen. Noch weniger tauschen möchte man aber mit den Menschen, die ihre Nacht im bitterkalten Flugzeug verbringen mussten, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Teilweise waren kleine Kinder und alte Menschen an Bord, viele von ihnen hatten schon einen Langstreckenflug hinter sich und wollten über das Drehkreuz München nur noch nach Hause gelangen.
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Abgesehen davon, dass man mit seinen Kunden nicht so umgeht, fällt an dieser Geschichte die mangelnde Fähigkeit der Verantwortlichen zur Improvisation auf. War von den Dutzenden Busfahrern, die am Flughafen München arbeiten, nachts wirklich keiner mehr zu erreichen? Und wenn nicht – hätte man nicht die Menschen ausnahmsweise zu Fuß über das Rollfeld geleiten können, da doch wegen des Nachtflugverbots ohnehin kein Flugverkehr mehr herrschte?
Diese Momentaufnahme vom Münchener Rollfeld lässt auf eine Haltung schließen, in der Verantwortliche keine Verantwortung übernehmen, sondern sich hinter Regeln und Vorschriften verstecken. Kreative Problemlösungen werden zwar in Managementseminaren gerne beschworen, im Alltag aber viel zu selten angewandt. Es ist ein Geist, der die Not der Kunden ausblendet, weil diese Ignoranz keine persönlichen Konsequenzen hat.
Man möchte hoffen, dass es sich bei dem Debakel am Münchener Flughafen um eine Ausnahme handelt. Wer viel mit Bus, Bahn und Flugzeug unterwegs ist, befürchtet jedoch etwas anderes.
Judith LembkeRedakteurin im Ressort „Reiseblatt“.
Redakteurin im Ressort „Reiseblatt“.
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