Der Krieg kommt in die Städte
Folgen des 11. Septembers : Der Krieg kommt in die Städte
Der 11. September steht am Anfang der multipolaren Welt-Unordnung, in der wir heute leben. Seine Botschaft ist klar: Der Hauptgegner des Westens ist nicht mehr der Marxismus, sondern eine Ideologie der Vernichtung.
Im August des Jahres 410 nach Christus drang ein gotisches Heer unter Alarich in die Stadt Rom ein. Drei Jahre lang wurde das einstige Zentrum des römischen Weltreichs geplündert, Hunderte Menschen starben, dann zogen die Goten wieder ab. Ihre Beute nahmen sie mit nach Süditalien und von dort ins südliche Gallien, wo sie sich dauerhaft niederließen.
Schon kurz nach dem Ereignis begannen seine Zeitgenossen damit, es zu deuten. Ihre Interpretationen waren, wie Mischa Meier und Steffen Patzoldt in ihrer Studie „August 410“ gezeigt haben, sehr unterschiedlich. Während der Kirchenvater Hieronymus in seinem Exil in Palästina klagte, „das strahlendste Licht aller Länder“ sei ausgelöscht, „des Römischen Reiches Haupt abgeschlagen“ und „in einer Stadt der gesamte Erdkreis zugrunde gegangen“, wiegelte sein Kollege Augustinus ab: Plünderungen seien eben Kriegsbrauch, dagegen müsse man begrüßen, dass die Barbaren Kirchen und Klöster verschont hätten, was „dem Namen Christi“ zu verdanken sei. In einer Predigt erinnerte er daran, dass schon Nero seine Hauptstadt in Brand gesetzt habe: Rom sei es gewohnt, zu brennen.
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So ging das jahrhundertelang. Aber die Debatte zwischen Apokalyptikern und Pragmatikern änderte nichts daran, dass Alarichs Eroberung ein Zeichen gesetzt hatte: Rom war gefallen, zum ersten Mal seit nahezu achthundert Jahren. Der Mythos seiner Unbesiegbarkeit war dahin.........
