Die Einfachheit des Begriffs „Remigration“ ist seine Gefahr
Lange bevor der Antisemitismus unter den Nationalsozialisten in einer systematischen Ermordung gipfelte, sorgte ein Roman von Hugo Bettauer 1922 für öffentliche Debatten. „Die Stadt ohne Juden“ beschäftigt sich mit einer Frage, die, angetrieben von der Hetze politischer Vertreter, damals einen großen Teil der Bevölkerung erfasste: Was wäre, wenn eine ethnisch-religiöse Gruppe, die von vielen als störend empfunden wird, einfach ausgesiedelt würde? Wäre dann nicht alles besser? Bettauer spielte es durch. Gedacht war in seiner Darstellung nicht an eine Vernichtung, sondern an die Aberkennung von Aufenthaltsrechten. Und dann, eines Tages, waren sie in seiner fiktiven Aufbereitung tatsächlich verschwunden. Doch all die Probleme, die zuvor mit ihnen in Verbindung gebracht wurden, blieben. Nein, noch schlimmer: die systematische Aussiedlung führte zu immer neuen Schwierigkeiten im Alltag der Stadt.
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