Island und das trügerische Match „Stadt gegen Land“
55 zu 45 Prozent in der Hauptstadt und den wenigen übrigen urbanen Wahlsprengeln, 40 zu 60 Prozent im ruralen Rest des Landes: Das Ergebnis der isländischen Volksabstimmung über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU spiegelte jenes Phänomen wider, das spätestens seit dem Brexit-Referendum allseits bekannt sein sollte. Je nach persönlicher Weltanschauung stehen sich arrogante Stadtschnösel und hemdsärmelige Mutbürger, oder fortschrittliche Weltbürger und dumpfe Landeier unversöhnlich gegenüber.
Weder das eine noch das andere Klischee kommt der Wahrheit nahe. Zehn Jahre nach dem Brexit-Unfall sollte die Analyse der Ergebnisse von Wahlen und Volksabstimmungen über diese holzschnittartige Darstellung hinausgehen. Das isländische Referendum ist ein guter Anlass für einen genaueren Blick auf die Dinge. Ein Match zwischen „Elite“ und „Volk“ war das in Island nämlich nicht.
Denn es waren........
