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Tischtennis-Skandal: Rücktritte im Verband wären Fortschritte

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11.03.2026

„Sie wollen mit Wolfgang Gotschke sprechen? Tut mir leid, er ist nicht da. Anrufen können wir ihn nicht, wir haben seine Handynummer im Büro nicht, er ist nur ehrenamtlicher Präsident!“ Der Anruf beim ÖTTV-Verband, zur Wahrung der journalistischen Sorgfalt im laufenden Skandal um einen Tischtennistrainer – die Staatsanwaltschaft ermittelt nach zwei Anzeigen wegen des Missbrauchsvorwurfs gegen Minderjährige –, hatte Dienstagvormittag durchaus kabarettistische Züge. Weil die ganze Causa, die sich seit Juli 2024 zieht, verbandsintern mit Vorwürfen, Unterstellungen, Allianzen, Maulkörben und Angst vieler Beteiligter und Opfer weitererzählt wird, jedoch so beschämend ist, fehlen einem die Worte. Ein SMS später kam der Anruf des Pressesprechers, der in Südamerika lebt.

Freilich, der ÖTTV-Verband hatte vorab mit einer Aussendung reagiert und viel zu spät Stellung bezogen. Auch der involvierte Verein, der den Betreuer bis zuletzt beschäftigt und auch in der Frauen-Bundesliga eingesetzt hat, reagierte ob des wachsenden Drucks. Man stellte den Trainer bis zur restlosen Klärung des Sachverhaltes frei. Warum das – zum Schutz von Kindern – nicht schon 2024 geschehen ist? Wieso das zum Wohl des Sports, des Verbands, der Klubs, des inkriminierten Mitarbeiters, für den die Unschuldsvermutung gilt, nicht augenblicklich, sondern erst 2026 passiert ist?

Boykott-Drohungen anderer Vereine

Rücktritte von Gotschke sowie dem Klubchef wären angesichts all dieser Erzählungen durchaus Fortschritte. Der Verband verdient einen Neustart, der nur gelingt, wenn Transparenz unter ehrenamtlichen Funktionären herrscht, Integrität und Vertrauen zur österreichischen Tischtennis-Gesellschaft wiederhergestellt sind. So schweben über allem der Förderstopp durch das Sportministerium, Boykott-Drohungen in der Bundesliga durch UTTC Salzburg gegen Spiele des besagten Vereins und kapitales Unverständnis in Personalfragen rund um Gotschkes Rückholaktion von Stefan Fegerl. Beide sahen sich schon 2024 mit anonymen Vorwürfen zu „psychischer Gewalt sowie Vernachlässigung“ konfrontiert. Jetzt soll er, der infolge dessen damals durch Liu Jia ersetzt wurde, in der seit der EM umstrittenen GmbH allen die Bühne bereiten?

Immerhin: Die Ankündigung, bei der Sitzung am Donnerstag die Installierung eines unabhängigen „Care-and-Compliance-Ausschusses“ vorzunehmen, ist ein erster Aufschlag.

In Anbetracht all dieser Erzählungen eine letzte Stilnote: Es wäre ein beklemmendes Signal, wenn es stimmt, dass der Vorstand 2025 Förderungen gegenüber dem Kärntner Landesverband oder dessen Trainerin reduziert haben soll. Gegen diejenige, die alle Vorwürfe mit ihrer Aussage vor dem Staatsanwalt dokumentiert hat.

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