Einleitung zum Denken
Zwei gerade gelesene Fortsetzungsromane haben mich zum “Denken” angeregt. Sie scheinen mir, gerade in Bezug auf die Verheißung bzw. Bedrohung durch die KI, eminent wichtig zu sein. Nach einigen Stunden ist in Zusammenarbeit mit ChatGPT dieser kleine Essay dabei herausgekommen. Am Ende dieses Textes finden sich zwei komplette Inhaltsangaben der Romane, die allerdings mit einer Spoiler-Warnung versehen werden müssen.
Zwei Science-Fiction-Werke als Denkmodelle für eine Gegenwart mit KI
Es gibt Science-Fiction, die von technischen Möglichkeiten erzählt. Und es gibt Science-Fiction, die weniger an Technik interessiert ist als an den Voraussetzungen, unter denen wir Wirklichkeit überhaupt verstehen.
Zu dieser zweiten Kategorie gehören zwei Werkkomplexe, die auf den ersten Blick kaum vergleichbar erscheinen und doch auf bemerkenswert ähnliche Schlussfolgerungen hinauslaufen: Blindsight (mit Echopraxia) von Peter Watts und die Southern-Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer. Beide der spannenden Texte erzeugen wohl bei den meisten Leserinnen und Lesern keine Klarheit, sondern Irritation und je nach Gemütslage auch Verstörung. Das ist allerdings kein Mangel. Es ist vielmehr das eigentliche Arbeits- und Wirkprinzip dieser Lektüre.
Watts wählt den klassischen Einstieg der Science-Fiction: den Erstkontakt mit dem Außerirdischen. Doch statt eines kulturellen oder moralischen Konflikts entsteht ein funktionaler. Das Fremde ist dem Menschen nicht überlegen, weil es „mehr weiß“, sondern weil es weniger voraussetzt. In Blindsight begegnet der Mensch einer Intelligenz, die ohne Bewusstsein auskommt – ohne Selbstmodell, ohne Bedeutung, ohne Innenperspektive. Und gerade deshalb arbeitet das im Buch so benannte „Rorschach-Artefakt“ schneller, stabiler und effizienter.
VanderMeer dagegen verzichtet vollständig auf solch ein Szenario. In Auslöschung gibt es kein Gegenüber, keine fremde Intelligenz, nicht einmal einen klar definierbaren Akteur (Dieser erste Teil wurde kongenial verfilmt). Area X ist kein Feind, keine Entität, kein Wille. Es ist ein abgegrenztes Gebiet mit einem Prozess, der biologische, ökologische und informationelle Strukturen reorganisiert. Dabei verläuft der Prozess ohne Rücksicht auf menschliche Kategorien wie Sinn, Identität oder Zweck. Er verläuft anscheinend auch ohne Absicht oder Ziel.
Der Unterschied zwischen beiden Romanen ist entscheidend, aber auch verbindend:
• Watts zeigt, dass Bewusstsein ein möglicher Umweg ist.
• VanderMeer zeigt, dass Bedeutung nicht einmal mehr Voraussetzung ist.
Beide Werke verzichten auf das gewohnte Eskalationsmuster. Es gibt keine Invasion, keinen offenen Angriff, keine finale Konfrontation. Was stattdessen geschieht, ist schwerer zu greifen und gerade deshalb beunruhigender: Der Mensch wird nicht bekämpft, sondern funktional relativiert.
In Blindsight wird er als ineffizientes Modell sichtbar, das von nicht-bewussten Systemen potenziell ersetzt werden kann und vielleicht auch........
