Öffnet sich die CDU für Linke oder AfD? Ein Blick in die Geschichte gibt einen Hinweis
Hat Friedrich Merz sich eigentlich bedankt bei der Linken? Der unerwartet lockere Durchgang des Rentenpakets wäre wohl ein Dankeswort vonseiten der CDU wert gewesen, jedoch ist davon nichts bekannt. Man müsste Merz persönlich fragen, ob sein innerer Groll gegen den linken Erbfeind oder die Erleichterung über ihre indirekte Unterstützung überwogen.
Die Linksfraktion jedenfalls hatte an jenem 5. Dezember mit der Enthaltung ihrer 64 Bundestagsabgeordneten zum Rentenpaket eine empfindliche Stelle der Union getroffen – und gleichzeitig taktisch geschickt gleich drei sprichwörtliche Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Sie konnte ihrem Ziel von 53 Prozent Rentenniveau treu bleiben und Fraktionschefin Heidi Reichinnek verkünden lassen: „Wir werden nicht akzeptieren, dass das Rentenniveau noch weiter gedrückt wird und uns deshalb enthalten.“ Sie sicherte damit staatstragend der Koalition die Kanzlermehrheit, die wegen des Generationen-Aufstandes der jungen Egoisten in der CDU wackelte. Und sie führte zugleich vor, wie anachronistisch der weiter geltende Verteufelungsbeschluss der Union gegenüber der Linken heute erscheint.
Wenn solche Zuverlässigkeit nicht ein Koalitionsangebot wert wäre? Mit diesen „linken Zecken“ hat man ja weniger Ärger als mit der SPD, die ohnehin nur noch knapp vor der Linken liegt! Wäre da nicht die reine Lehre. Nein, nicht das Neue Testament. Welches Unions-Mitglied weiß schon noch, was bei Matthäus 25 steht, wenn es alles Ungermanische am liebsten mit SpaceX auf den Mars abschieben will?
Aber ein Lehrsatz wird in der Union anscheinend ewig gelten: Der Hauptfeind steht immer links.
Auch dann noch, wenn ihr eben diese Linken und Bündnisgrünen am 6. Mai 2025 die Peinlichkeit erspart haben, nach dem Scheitern ihres Kanzlerkandidaten Friedrich Merz im ersten Wahlgang drei Tage auf einen zweiten warten oder gar in einen dritten gehen zu müssen. Beide hatten eine Abweichung von der Geschäftsordnung mitgetragen, die eine zweite Abstimmung noch am selben Tag ermöglichte. Nur die SPD dankte dafür.
Die Unionsparteien zelebrieren chronische Eingeschnapptheit gegenüber einer Partei, die immer noch mit den Rechtsbrüchen und Gleichschaltungen der SED in der DDR gleichgesetzt wird. Man müsse sich nach wie vor als SED-Erbin rechtfertigen, ist aus der Linksfraktion des Landtages von Sachsen-Anhalt zu hören, wo in diesem Jahr gewählt wird. Ein Recht auf solchen nachtragenden Gestus hätten aber vor allem die Bürgerrechtler und Widerständler gehabt, die in der DDR Repressalien ausgesetzt waren. Ihre Vertreter gingen 1990 in dem von der „Allianz für Deutschland“ geschürten Einheitsrausch unter.
Die Exponenten der westdeutschen Union hingegen kannten zuvor keine Berührungsängste mit kommunistischen Bonzen: Kanzler Helmut Kohl empfing 1987 den DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker, der Bayer Franz Josef Strauß hatte 1983 einen Milliardenkredit vermittelt.
In der DDR aber war die CDU eine sogenannte Blockpartei. Mit der Bedienung christlicher, liberaler oder nationaler Neigungen versuchte die herrschende SED, breitere Schichten anzusprechen und zugleich an sich zu binden. Es gab immerhin in der Block-CDU nicht nur Opportunisten, die von SED-Gnaden den zweiten Karriereweg nach oben suchten.
Hier kam es zu Beginn der 1970-er Jahre sogar zu einer Eintrittswelle junger Leute, die im Gefolge eines Achtundsechziger-Mottos auch einen „Marsch durch die Institutionen“ antreten wollten, um die DDR positiv zu verändern. Den scheidenden........
