Know Your Enemy: Um den Kapitalismus zu verstehen, müssen Sie diese fünf Bücher kennen
Der „alte Schlawiner“ namens Kapitalismus, dessen „Ende“ das deutsche Diskursphänomen Peter Licht vor 20 Jahren wohl etwas voreilig besungen hat, wird uns wohl noch etwas länger „auf der Tasche liegen“. Also lohnt es sich weiterhin, sich mit ihm zu befassen. Im Alltag kann das ja etwas unangenehm werden, aber im Lesesessel ist es immerhin ein Bildungserlebnis. Nur, zu welchen Titeln wäre da zu greifen?
Außer Konkurrenz läuft natürlich Das Kapital von Karl Marx und Friedrich Engels – jene Klassiker-Trilogie, über die man entweder sehr viel schreiben kann oder aber sehr wenig. Wir nehmen einmal die zweite Ausfahrt und belassen es bei einer Bemerkung: Gehören Sie zu den Leuten, die der Ansicht sind, es gehe darin hauptsächlich um Klassenkampf? Glauben Sie, Marxens „Fehler“ bestehe darin, dass er „den Menschen“ an sich für uneigennützig halte? Hängen Sie gar der liberalen Irrlehre an, dass diese Kritik der politischen Ökonomie an irgendeiner Stelle moralische Kopfnoten verteile? Dann sollten Sie dringend einmal hineinschauen. Nur Mut! Es ist nur anfangs etwas zäh. Doch sobald man den Aufbau verstanden hat, kann es regelrecht unterhaltsam werden.
Aber auch, wenn Ihnen gerade nicht nach dem Kampf mit den berühmten blauen Bänden zumute ist, haben wir einige Lesetipps – drei wissenschaftliche und zwei literarische. Denn eins ist gewiss: Der Kapitalismus wird zwar einmal ein Ende haben, ist bis dahin aber ein endloses Thema. Velten Schäfer
Wussten Sie, dass es Kapitalisten schon vor dem Kapitalismus gab? So formuliert es der Harvard-Professor Sven Beckert in seinem Buch „Kapitalismus: Geschichte einer Weltrevolution“. Auf rund 1.200 Seiten erfahren wir, dass die ersten Kaufleute schon um das 11. Jahrhundert herum begannen, ihre Gewinne zu reinvestieren, um noch größere Gewinne zu erzielen – wie Kapitalisten eben. Und das zu einer Zeit, in der die Gesellschaften, in denen sie lebten, noch ganz anders organisiert waren.
Wer anhand derlei historischer Beobachtungen die Entstehung der Wirtschaftsordnung verstehen möchte, die heute den Globus umspannt und längst daran arbeitet, den nächsten Planeten zu erobern, wird in Sven Beckerts Mammutwerk fündig werden. Beckert erzählt den Kapitalismus anders, als die meisten ihn aus dem Geschichtsunterricht kennen werden: nicht als europäische Erfindung, sondern als eine von Anfang an globale Erscheinung. Weder als Heils- noch als Unglücksbringer, sondern mit all seiner historischen Ambiguität. Und, wichtig für alle, die ihn überwinden möchten: nicht als........
