Diese 10 ostdeutschen Traditionsbetriebe wurden von Westfirmen übernommen und abgewickelt
Ein Süßwarenhersteller in Sachsen, ein Gummi-Produzent in Thüringen, mehrere Fleischbetriebe in Brandenburg: Immer wieder hört man von ostdeutschen Traditionsbetrieben, die schließen müssen.
Dahinter steckt oftmals ein Muster: Große westdeutsche oder internationale Konzerne kaufen kleine Unternehmen im Osten auf, verschleppen wichtige Investitionen und machen die Betriebe schließlich dicht. Von den Unternehmen heißt es, die Standorte würden nicht ausreichend Rendite abwerfen, man passe sich veränderten Marktbedingungen an oder strukturiere um.
Nicht selten steht der Vorwurf der Marktbereinigung im Raum. Unternehmen würden Betriebe aufkaufen und am ausgestreckten Arm verhungern lassen, um Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, argumentieren Gewerkschaften. Die Leidtragenden sind Beschäftigte, die oftmals nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern auch einen Teil ihrer Identität verlieren. Gerade wenn es Betriebe trifft, in denen Familien seit Generationen arbeiten.
Das hat auch politische Konsequenzen. Denn wo Perspektivlosigkeit herrscht und ein Gefühl der Ungerechtigkeit um sich greift, ist der Erfolg autoritärer und rechtsextremer Kräfte nicht weit. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostiziert für die ostdeutschen Bundesländer 2026 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um einen Prozent.
Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst, bei denen die AfD jeweils stärkste Kraft werden könnte, ist diese Prognose besonders besorgniserregend. Zehn Beispiele zeigen, wie rücksichtslos Konzerne mit ihrer Verantwortung für Beschäftigte im Osten umgehen.
Mehr als 120 Jahre liefen im sächsischen Wilkau-Haßlau Süßwaren übers Band, bis der Weltmarktführer im Fruchtgummi- und Lakritzgeschäft, Haribo, den Betrieb 2020 dicht machte und 150 Beschäftigte vor die Tür setzte. Einst als Lebkuchen- und Schokoladenfabrik gegründet, wurde die Süßwarenfabrik WeSa in DDR-Zeiten zum Volkseigenen Betrieb. Nach der Wende übernahm das Bonner Unternehmen Haribo. In Folge einiger strategischer Fehlentscheidungen und der Corona-Pandemie sank Haribos Weltmarktanteil leicht. Der Konzern reagierte mit der Schließung seines einzigen Standortes im Osten.
Laut Gewerkschaftsvertretern legte der Konzern einen „grottigen” Sozialplan vor und passte diesen erst auf Drängen der Gewerkschaft an. Im Nachgang zeigte sich, dass wichtige Investitionen offenbar ausgeblieben waren. Konkurrent Katjes war zunächst an der Übernahme der Fabrik interessiert, entschied sich wegen des schlechten baulichen Zustands aber dagegen. 2024 wurde bekannt, dass Haribo 300 Millionen Euro in einen neuen Standort in Rheinland-Pfalz investiert. Eine Summe, die womöglich auch die Produktionsstätte in Wilkau-Haßlau hätte retten können.
Den Kaffeefilter erfand eine Ostdeutsche: Die Dresdnerin Amalie Auguste Melitta Bentz nutzte Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes, um Kaffee zu filtern. 1908 patentierte die Familie Bentz eine ausgefeiltere Version des ersten Kaffeefilters. Mittlerweile ist Melitta ein Weltkonzern mit Sitz im ostwestfälischen Minden, der bereits mehrfach ins Blickfeld des Bundeskartellamts geriet. 2000 untersagte die Behörde dem Unternehmen die geplante Fusion mit einem belgischen Staubsauger-Hersteller. 2009 und 2014 musste Melitta wegen Preisabsprachen mit anderen Kaffeeherstellern Geldbußen........
