menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Katja Weitzenböck: Was sie von Jean Reno lernte und warum sie heute am Set Grenzen zieht

19 0
10.01.2026

Geboren in Tokio, aufgewachsen in Franken, entdeckt in Australien und ausgebildet in Paris: Seit mehr als 25 Jahren ist Katja Weitzenböck nun in Berlin zu Hause. Ihre Biografie ist die einer permanenten Bewegung zwischen Ländern, Kulturen und sozialen Systemen – ein Lebensweg, der ihr einen besonderen Blick von außen auf Politik, Kunst und Gesellschaft ermöglicht. Anlässlich der Ausstrahlung der 101. Folge der ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ („Das letzte Opfer“) am 10. Januar, in der sie eine zentrale Rolle spielt, haben wir mit ihr gesprochen. Entstanden ist ein tiefgründiger Dialog über Herkunft und Freiheit, Antisemitismus und den Reformstau im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, über eine Hauptstadt im Dauerumbau sowie Fragen nach Körper, Kontrolle und Verantwortung.

Frau Weitzenböck, Ihr Lebenslauf ist stark international geprägt. Wie sehr hat Sie dieses Aufwachsen zwischen verschiedenen Ländern geformt?

Das hat mich zutiefst geprägt. Meine Eltern waren beide als Ingenieure international im Einsatz – mein Vater als Montageingenieur, meine Mutter ebenfalls technisch ausgebildet. Da sie für Siemens arbeiteten, waren sie ständig weltweit unterwegs, um Anlagen aufzubauen, zu reparieren oder in Betrieb zu nehmen. Ich wurde in Tokio geboren, weil sie dort arbeiteten und auch geheiratet hatten; mein Bruder und ich kamen beide in Japan zur Welt.

Welche Rolle spielt diese frühe Zeit heute für Sie?

Bewusste Erinnerungen habe ich kaum, da ich erst anderthalb Jahre alt war, als wir Tokio verließen. Dennoch merke ich heute, wie sehr diese frühen Eindrücke nachwirken. Internationalität war bei uns zu Hause schlicht Normalität. Es gab Freundschaften aus aller Welt, ständige Kontakte und viele Gespräche über fremde Länder, Kulturen und Lebensentwürfe. Das war für uns nichts Besonderes, sondern gelebter Alltag.

Was hat das mit Ihnen gemacht?

Ich habe früh gelernt, dass das, was man für normal hält, immer relativ ist – dass es eben nicht nur die eine Art gibt, zu leben. Diese Selbstverständlichkeit von Bewegung, von Wechseln und von Offenheit hat mich geformt. Vielleicht rührt daher auch dieses innere Bedürfnis, immer weitergehen zu wollen und nicht an Dingen festzuhalten.

Sie sind bereits in jungen Jahren nach Australien gegangen.

Ja, ich wollte unbedingt raus aus dem Vertrauten. Mein Ziel war es, zu arbeiten, eigenes Geld zu verdienen und unabhängig zu sein. Ursprünglich wollte ich kellnern oder vielleicht auf einer Farm arbeiten. Ich fing dann tatsächlich als Frühstückskellnerin in einem Hotel an; dass ich schließlich als Model entdeckt wurde, war purer Zufall.

Wie kam es dazu?

Ich bin in Sydney in eine Szene aus Musikern und Künstlern geraten. Irgendwann nahm mich jemand mit in eine Agentur, und plötzlich war ich Model. Es fühlte sich mühelos an, die Aufträge kamen einfach von selbst. Hätte ich dafür kämpfen oder mich verbiegen müssen, hätte ich diesen Weg vermutlich nicht gewählt.

Wann wurde die Schauspielerei zu einer bewussten Entscheidung?

In dem Moment, als ich begriff,........

© Berliner Zeitung