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Vor Iran-Verhandlungen – Interview mit Yale-Historiker Arash Azizi: „Bomben stürzen keine Regierung“

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10.04.2026

Es ist ein Frühlingsvormittag in New Haven, Connecticut, als Arash Azizi am Telefon mit der Berliner Zeitung spricht. Vorbeilaufende Studierende auf dem Campus der Yale University begrüßt er mit „Happy Ceasefire“ – Worte, in denen Erleichterung mitschwingt, kurz nachdem die USA und der Iran einer temporären Waffenruhe und der Aufnahme von Verhandlungen zugestimmt haben.

Azizi ist Historiker und einer der profiliertesten Iran-Kenner im englischsprachigen Raum. Er ist Autor mehrerer Bücher und schreibt unter anderem für The Atlantic.

Herr Azizi, nach fast sechs Wochen Kämpfen haben die USA und Iran eine Waffenruhe verkündet. Wie ist die Lage im Iran derzeit?

Die Menschen sind erleichtert, dass die Kämpfe pausieren. Gleichzeitig gibt es große Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Die Bombardierungen haben aufgehört, aber das Gefühl der Instabilität bleibt.

Glauben Sie, dass die Waffenruhe Bestand haben wird?

Ich habe keine Kristallkugel, aber die Verhandlungen sind ernsthaft. Es gibt reale Ansatzpunkte für eine Einigung, und beide Seiten scheinen bestrebt, eine Rückkehr zum Krieg zu vermeiden.

Das Machtgefüge hat sich verschoben. Aufseiten der USA hat JD Vance dazu beigetragen, eine Einigung möglich zu machen, indem er für Deeskalation plädiert hat. Auf iranischer Seite stehen Persönlichkeiten wie Mohammad Bagher Ghalibaf für eine Strömung, die einen Deal befürwortet.

Die USA haben zudem erkannt, dass sie die von ihnen ursprünglich angestrebte Kapitulation nicht erreichen können. Ihre Kriegsziele waren nicht vollständig konsistent – insbesondere in Bezug auf einen Regimewechsel. Gemeint war häufig weniger ein Systemwechsel als vielmehr ein Austausch der Führung.

Sollten die politischen Führungen beider Seiten nun eine Einigung erzielen, wäre das bereits ein bedeutender Wandel. Wenn Donald Trump und andere glaubten, sie könnten das........

© Berliner Zeitung