Nach Ausfall der Druschba-Pipeline: Ungarn stoppt Diesel-Lieferungen an Ukraine
Ungarn setzt die Lieferung von Diesel an die Ukraine vorübergehend aus. Das erklärte Außenminister Péter Szijjártó am Mittwoch auf einer Regierungspressekonferenz. Eine entsprechende Stellungnahme hat er zudem auf Facebook veröffentlicht.
Die Ausfuhr von Diesel in Richtung Ukraine sei „eingestellt worden“, teilte Szijjártó mit. Die Lieferungen würden erst wieder aufgenommen, „wenn die Rohöltransporte über die Druschba-Pipeline nach Ungarn wieder anlaufen“.
Druschba-Pipeline seit Ende Januar außer Betrieb
Nach Angaben des ungarischen Energiekonzerns MOL fließt seit dem 27. Januar kein russisches Rohöl mehr über die südliche Trasse der Druschba-Leitung nach Ungarn und in die Slowakei. Die Pipeline verläuft über ukrainisches Gebiet und ist eine zentrale Versorgungsroute für beide Länder.
Nach Angaben aus Ungarn und der Slowakei ist die Leitung infolge von Schäden außer Betrieb. Über die Ursache dieser Schäden gibt es unterschiedliche Darstellungen. Szijjártó erklärte, die technischen Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme seien gegeben, die ukrainische Führung habe sich jedoch aus politischen Gründen dagegen entschieden. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung liegt bislang nicht vor.
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Szijjártó sagte weiter, Ungarn könne die Energiesicherheit eines anderen Landes nicht garantieren, solange die eigene Versorgung beeinträchtigt sei. Die Wiederaufnahme des Diesel-Exports sei daher an die Wiederherstellung des Öltransits geknüpft. Auch die internationale Nachrichtenagentur AP News berichtet über die Entscheidung Budapests.
Ungarn verweist auf strategische Ölreserven
Die ungarische Regierung betont, dass die inländische Energieversorgung gesichert sei. Ungarn verfüge über strategische Rohölreserven für mehr als drei Monate. Diese könnten genutzt werden, um Lieferausfälle abzufedern.
Parallel werden alternative Beschaffungswege genutzt. MOL teilte mit, dass Rohöl verstärkt per Schiff über Kroatien importiert werde. Erste Lieferungen seien bereits unterwegs und sollen Anfang März im kroatischen Hafen Omišalj eintreffen. Von dort dauert der Weitertransport zu den Raffinerien in Ungarn und der Slowakei weitere fünf bis zehn Tage.
Druschba-Pipeline außer Betrieb: Slowakei reagiert ebenfalls
Auch die Slowakei ist vom Ausfall der Druschba-Pipeline betroffen. Die Raffinerie Slovnaft kündigte an, den Export von Diesel vorübergehend auszusetzen und die Produktion auf den Inlandsmarkt zu konzentrieren. Die slowakische Regierung will bis zu 250.000 Tonnen Rohöl aus strategischen Reserven bereitstellen.
Die Druschba-Pipeline zählt zu den wichtigsten Transportnetzen für russisches Öl nach Mittel- und Osteuropa. Die südliche Leitung versorgt insbesondere Ungarn und die Slowakei, die als Binnenstaaten nur begrenzte Alternativen zum Pipeline-Transport haben.
Nach Berichten ungarischer Medien ist die Ukraine in erheblichem Umfang auf Energieimporte aus beziehungsweise über Ungarn angewiesen, darunter Diesel, Erdgas und Strom. Offizielle Stellungnahmen aus Kiew zu möglichen Folgen des Lieferstopps lagen zunächst nicht vor. Ob und wann der Transit über die Druschba-Pipeline wieder aufgenommen wird, ist derzeit offen.Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns gern! briefe@berliner-zeitung.de
