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Kurtaxe von Usedom bis Allgäu: Hier zahlen Urlauber in Deutschland am meisten

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26.02.2026

In Deutschland wird in rund 390 Orten eine Kurtaxe erhoben. Diese Abgabe, auch Touristensteuer oder City Tax genannt, ist besonders an der Nord- und Ostseeküste, im Harz, im Erzgebirge sowie in vielen bayrischen Kur- und Erholungsorten üblich. Mit den Beiträgen werden touristische Infrastrukturen wie Strände, Parks und Veranstaltungen finanziert. Für den Urlaubsgast bedeuten sie erhöhte Reisekosten, teilweise sind die Abgaben deutlich spürbar.

Doch die Preisentwicklungen bei der Kurtaxe verlaufen je nach Gemeinde verschieden, teils gibt es signifikante Unterschiede. Das zeigt eine Erhebung des Reiseportals HolidayCheck, das zum dritten Mal in Folge die Entwicklung der Kurtaxen deutschlandweit untersucht hat.

Fast jede sechste Gemeinde hat die Kurtaxe erhöht

Das Ergebnis: Von Verdopplungen bis zu überraschenden Senkungen ist alles mit dabei. Die Erhebung zeige aber auch, so die Autoren: „Fast jede sechste Gemeinde hat ihre Kurtaxe seit dem Februar 2025 erhöht.“

Zwischen Festbeträgen und prozentualen Anteilen können die Kurtaxen je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen. Bei einer Woche kommen für ein Paar am Ende des Urlaubs schnell mal über 70 Euro dazu, für Familien noch mehr.

Vor allem an der Nordseeküste bleiben die Kurabgaben hoch. Mit 5,50 Euro pro Übernachtung ist die kleine ostfriesische Insel Spiekeroog wie im Jahr zuvor Spitzenreiter. Der Betrag wird für Erwachsene in der Hauptsaison zwischen März und Ende Oktober erhoben. Kinder zahlen 2,30 Euro. Eine vierköpfige Familie, die zwei Wochen auf der autofreien Insel Urlaub macht, muss damit knapp 220 Euro nur für die Kurtaxe berappen. Der Gemeinderat begründete die Erhöhung des Gästebeitrags 2024 unter anderem damit, dass man als kleine Insel keine Einnahmen aus dem Massentourismus beziehe. Auch die Inflation sowie gestiegene Energie-, Bau- und Personalkosten werden als Gründe genannt.

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Spiekeroog ist nicht der einzige Ort, der die Fünf-Euro-Grenze erreicht hat, das trifft auch auf die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden als staatlich anerkanntes Heilbad und auf Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen zu. In Langeoog zahlen Urlauber mit 4,95 Euro nur minimal weniger, während auf Wangerooge und Norderney 4,90 Euro fällig werden. Auf der Nachbarinsel Juist und auf Borkum kostet die Kurabgabe 4,80 Euro in der Hauptsaison.

Lindenfels im Odenwald erhebt den günstigsten Beitrag im Vergleich, im Jahr 2026 bleibt die Kurtaxe dort bei 25 Cent pro Nacht. Auch in Eckenhagen, Lörrach, Grasellenbach und Nümbrecht liegt der Kurbeitrag weiterhin unter einem Euro pro Übernachtung.

Während mehr als 60 Gemeinden ihre Beiträge für 2026 erhöht haben – in Wolfegg im Allgäu zum Beispiel liegt die Kurtaxe seit April 2025 nicht mehr bei 80 Cent, sondern bei 1,90 Euro (plus 137,5 Prozent) –, steigen anderswo die Preise nicht. Einige Orte im Osten überraschen sogar mit einer Senkung.

In Waren (Müritz) sinkt die Kurtaxe von 2,70 Euro auf 2,50 Euro (minus 7 Prozent). An- und Abreisetag gelten ab April 2026 als ein Tag. Die Stadt möchte damit stärker auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen und den Aufenthalt attraktiver gestalten. Die Änderungen sind besonders für die vielen Radtouristen interessant, die abends ankommen und nur etwas essen und einmal übernachten wollen, bevor sie weiterfahren.

Auch Zinnowitz auf Usedom senkt auf 3,70 Euro (minus 12 Prozent). Grund dafür: In den bisherigen 4,20 Euro war der Busverkehr der UBB bereits enthalten, dieser wird nun separat abgerechnet. Das Ostseebad betont: „Die Kurabgabe dient dazu, die Infrastruktur, Sicherheit und Veranstaltungen zu fördern, den Aufenthalt für Gäste angenehmer zu gestalten und die Attraktivität des Ortes zu erhalten. Sie trägt dazu bei, die Pflege und Entwicklung des Kurortes zu sichern, sodass Besucher die schöne Umgebung und das vielfältige Angebot genießen können.“


© Berliner Zeitung