Der Käfer, der (k)ein Nazi ist
Wissenschaftliche Tiernamen wie Anophthalmus hitleri bleiben unverändert, da die ICZN Stabilität in der Nomenklatur priorisiert.
In der Botanik können diskriminierende Namen geändert werden; ein Ethik-Komitee entscheidet über neue Bezeichnungen.
Viele Tier- und Pflanzennamen sind Eponyme oder Toponyme und können problematisch oder umstritten sein.
1937 wurde der Käfer Anophthalmus hitleri benannt und heißt noch immer so.
Rund 20 % aller Tiernamen sind Eponyme, etwa 300.000 Arten betroffen.
2024 wurde ein Ethik-Komitee für botanische Namen auf dem Kongress in Madrid gegründet.
Wissenschaftliche Tiernamen wie Anophthalmus hitleri bleiben unverändert, da die ICZN Stabilität in der Nomenklatur priorisiert.
In der Botanik können diskriminierende Namen geändert werden; ein Ethik-Komitee entscheidet über neue Bezeichnungen.
Viele Tier- und Pflanzennamen sind Eponyme oder Toponyme und können problematisch oder umstritten sein.
1937 wurde der Käfer Anophthalmus hitleri benannt und heißt noch immer so.
Rund 20 % aller Tiernamen sind Eponyme, etwa 300.000 Arten betroffen.
2024 wurde ein Ethik-Komitee für botanische Namen auf dem Kongress in Madrid gegründet.
Er ist braun und blind und lebt in den Höhlen Sloweniens: Der Hitler-Käfer (Anophthalmus hitleri) wurde 1937 entdeckt und benannt – und er heißt auch heute noch so. Genauso, wie der Mussolini-Falter (Hypopta mussolinii) nach wie vor den Namen jenes Diktators trägt, der ab 1925 an der Spitze des faschistischen Regimes in Italien stand, und auch die Pflanzengattung Hibbertia weiterhin an den britischen Sklaverei-Befürworter George Hibbert erinnert.
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Denn: Anders als zum Beispiel Straßen- oder Ortsnamen können die wissenschaftlichen Namen in der Zoologie nicht geändert werden, sobald sie einmal feststehen. Die internationale Stelle, die regelt, wie die Namen vergeben werden, sieht das nicht als ihre Aufgabe. „Unser Hauptanliegen ist, für Stabilität in der Nomenklatur zu sorgen“, sagt Thomas Pape, Präsident der Internationalen Kommission für Zoologische Nomenklatur (ICZN). Würden sich die bereits bestehenden wissenschaftlichen Namen der Tiere ändern, würde das bei Publikationen, die sich auf diese beziehen, oder bei der Beschreibung neu entdeckter Arten, die mit diesen verglichen werden, für Verwirrung sorgen, meint er zur WZ.
Das Empfinden, ob ein Name gut oder schlecht ist, ist meist subjektiv.
Wird eine neue Art entdeckt, gehe es der ICZN auch nicht um den Namen selbst, den die Entdecker:innen frei wählen können, sondern darum, dass dieser formal korrekt aus einem Gattungs- und Artnamen besteht. „Das Empfinden, ob ein Name gut oder schlecht ist, ist meist subjektiv“, so Pape zur WZ, „und ich glaube nicht, dass es unsere Aufgabe als Kommission ist, darüber zu entscheiden.“ Abgesehen davon sei auch noch kein einziger Antrag mit dem Wunsch, einen problematischen Namen zu ändern, bei der ICZN eingegangen.
Kaffernbüffel zutiefst rassistisch
„Es geht ja nicht nur um derart ,prominente‘ Bezeichnungen wie hitleri oder mussolinii, sondern viele sind subtiler, weil deren frühere Bedeutung heute nicht mehr allen bekannt ist“, ergänzt Francisco Welter-Schultes, Mitglied der ICZN. Der Kaffernbüffel (Syncerus caffer) etwa trage eine zutiefst rassistische Bedeutung in sich: Das Wort Caffer wurde früher als Beleidigung für einige Völker Südafrikas benutzt (vor allem die Xhosa). „Aber wenn wir einmal damit anfangen, einen Namen zu ändern, kommen andere, die das beantragen, und das will die ICZN absolut nicht“, sagt er.
Rund 20 Prozent aller Tiernamen sind einer Schätzung der ICZN zufolge sogenannte Eponyme: Sie beinhalten Namen konkreter Personen. Von den etwa 1,5 Millionen wissenschaftlich beschriebenen Arten weltweit sind somit rund 300.000 betroffen. Dazu kommen die Toponyme, die sich auf einen Ort oder ein topografisches Merkmal wie ein Gewässer beziehen. Diese machen etwa zehn Prozent der Namen aus – also 150.000. Auch diese können problematisch werden, wenn es zum Beispiel zu Streitigkeiten über........
