Langsam wird es heiß …
Nein. Es ist heiß. Sehr. Seit Tagen. Ich habe mir vergangene Woche zusätzlich auch noch das Kreuz derartig verrissen, dass ich kaum gehen konnte. Und als ich also verdammt viel Zeit zu Hause liegend verbrachte, wurde ich sehr dankbar: Durch die dicken Altbauwände, aber auch durch mein rechtzeitiges Abdunkeln hatte es bei mir zu Hause angenehme 25 Grad, ohne Klimaanlage. Ich lag also da, hatte einen selbstgemachten Eiskaffee in der Hand und quatschte vor lauter Demut eine Instagram-Story in meine Kamera: Dass jene, die die Möglichkeit haben, Zuflucht vor der Hitze zu finden, wahrnehmen sollen, dass das ein Privileg ist, das viele nicht haben. Ich dankte den Leuten, die jetzt in der Hitze arbeiten mussten, und sagte auch, dass man sich jetzt gegenseitig unterstützen sollte. Was meinte ich damit? Dass man zum Beispiel für alte Menschen jetzt einkaufen geht oder Paketbot:innen eiskaltes Wasser hinstellt, dass man z. B., wenn man ein Café betreibt, an Hitzetagen einen Tisch im Kühlen ohne Konsumzwang anbietet, dass man Hunden Wasserschüsseln vor die Tür stellt.
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Es wäre nicht das Internet, wäre da nicht eine Person gewesen, die mir schrieb, wie problematisch meine Aussagen seien. Weil es auch Menschen gibt, die total arm dran sind und unter der Hitze leiden, obwohl sie die Möglichkeit zum Rückzug ins angenehm Temperierte haben – zum Beispiel, weil sie durch Medikamente die Hitze noch schlechter vertragen. Und diesen Menschen zu schreiben, sie mögen dankbar dafür sein, sei in etwa so, wie jemandem mit ADHS zu schreiben, er oder sie solle nicht so „rumhibbeln“. Und dass es jetzt doch viel wichtiger sei, dass politische Maßnahmen gesetzt werden und zum Beispiel in Städten hitzeverträglicher gebaut wird.
Erstens: Ich explodierte. Ich richtete der Person öffentlich aus, dass ich es einfach nicht mehr hinnehme, mir die Worte im Mund verdrehen zu lassen, damit man mich als „problematisch“ bezeichnen kann. Es reicht. Niemand von uns – und ich überraschenderweise auch nicht – kann jedes Einzelschicksal dieses Landes kennen und mitbedenken. Aber man kann auch mal davon ausgehen, dass ich Mitgefühl für alle Personen, die unter der Hitze leiden, empfinde – davon sind die von ihr beschriebenen Schicksale nicht ausgenommen. Dieses öffentliche Zurückweisen zeigte Wirkung: Die Person entschuldigte sich sehr ehrlich und sehr fair, und sie räumte ein, dass man in einem Moment größter Hitzebelastung vielleicht nicht solche........
