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Das M in Kochen steht für Mann

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16.03.2026

Das 21. Jahrhundert hat einiges hervorgebracht: Powerfrauen, Karrierefrauen, Familienväter. Habt ihr schon mal was von Powermännern oder Familienmüttern gehört? Anyways: Die Diskussion rund um Gleichberechtigung dreht sich meist um Aufstiegschancen im Job, um Bezahlung, aber oft vergessen wir etwas ganz Banales, ein Grundbedürfnis: Hungerstillen.

Kennst du schon?: Hoch lebe die Freundinnenschaft!

Eine aktuelle Umfrage von YouGov und IKEA zeigt: Nur rund ein Drittel der Männer übernimmt im Haushalt regelmäßig das Kochen – zwei Drittel offenbar nicht. Rund 70 % der Frauen sehen sich hauptsächlich für die Zubereitung von Mahlzeiten verantwortlich, bei Männern sind es nur 39 %. Auch die Planung der Mahlzeiten und Organisation bleibt häufiger an Frauen hängen – 64 % im Vergleich zu 36 % der Männer. Wenn es ums tägliche Essen geht, bleibt Kochen oft Frauensache, denn diese Routine klingt schon ein bisschen…hm, lame.

Kochen? Ja, gerne mit Bühne

Dabei müssten Männer das Kochen doch eigentlich lieben. Zumindest dann, wenn es in der richtigen Umgebung stattfindet: in kultigen Gastro-Szenen, in einer Industrial-Chic-Küche, mit schwerer Eisenpfanne, vielleicht noch ein japanisches Messer für 300 Euro. Kochen als Kulturtechnik, als Handwerk, als Ausdruck von Persönlichkeit. Und während die Männer ihre Kochkünste verbessern, bringen Frauen die Kinder ins Bett, waschen die Wäsche, erledigen Care Arbeit, packen das Geburtstagsgeschenk für die Mutter des Gatten ein... merkste selber?

Und ein Blick in die Gastronomie scheint dieses Bild sogar zu bestätigen. Denn dort, wo Kochen Prestige bringt, dominieren Männer. Rund 96 Prozent aller Sterneköch:innen sind männlich. Frauen stellen gerade einmal etwa vier Prozent. (Fast kein Grund also, hier überhaupt zu gendern.) Die klassische Aufteilung scheint weiterhin zu funktionieren: Frauen kochen, Männer werden dafür berühmt.

Im Notfall hilft der Griller

Ah, es gibt neben Prestige noch eine Strategie, mit der Männer plötzlich doch zum Kochen finden: den Grill. Sobald ein Stücki Fleischi auf einem Rost brutzelt, erwacht in vielen Männern eine kulinarische Leidenschaft, fast ein Urinstinkt. Dann wird mariniert, gewendet, gefachsimpelt. Aus dem Küchenmuffel wird ein Grillmeister. Die Beilagen, wie Salate, Saucen, Ofengemüse, Desserts, etc, darum können sich ja dann die Frauen kümmern! Wird wohl nicht so schwer sein!

Vielleicht liegt es an der Ausstattung: Die Ästhetik einer Schürze mit aufgemaltem nackten Frauenkörper und einem Schild “Grillmeister” kann schließlich niemand widerstehen.

Sobald aber Kochen nicht mehr Hobby, sondern Routine ist, wird es plötzlich unerquicklich: jeden Tag überlegen, was es zum Abendessen gibt, einkaufen gehen, Gemüse schneiden, abwaschen.

Bevor jetzt jemand „Not all men!“ ruft: Stimmt natürlich. Bitte entschuldigt: Viele Männer kochen leidenschaftlich gern. Und das ist auch gut so. (Und diese werden auch oft auf Instagram als husband material gebrandet)

Und machen wir mal halblang. Denn vor kurzem war ja auch Weltfrauentag, da wurden doch eh auf vielen Social Media Kanälen vor den Vorhang geholt, wo gezeigt wurde, dass Frauen auch Chefinnen sind und in der Gastroszene reichen. Wieso muss das eigentlich so herausgehoben werden, als sollte es nicht schon selbstverständlich sein?

Jetzt ist der Tag vorbei. Und die Männer stehen wieder in der Spitzenküche. Am Grill sowieso. Na, immerhin beginnt bald der Sommer.

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69,7 % der Frauen geben an, hauptsächlich für das Kochen und die Zubereitung von Mahlzeiten zuständig zu sein, während nur 38,5 % der Männer diesen Anteil bei sich sehen.

64 % der Frauen übernehmen hauptsächlich die Planung der Mahlzeiten, bei den Männern sind es nur 36,3 %.

Für 54 % der Frauen gehört Kochen zur täglichen Routine, bei Männern sind es nur 34 %.

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Das Thema in anderen Medien

Der Standard: Umfrage: Nur ein Drittel der Männer kümmert sich im Haushalt ums Kochen

Kurier: Gleichberechtigung im Haushalt? Männer sagen ja, Frauen sagen nein

SZ: Das Frauenproblem der Sterneküche


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