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Minneapolis: Das Verschwinden aus dem öffentlichen Raum

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29.01.2026

„Ich habe es anfangs nicht verstanden. Ich war am Highway, und habe mich gefragt: Wo sind die ganzen Autos hin?“, erzählt der pensionierte Rechtsanwalt David McDonald, Einwohner von Minneapolis am Telefon. Das Straßenbild der Metropole habe sich in den vergangenen sechs Wochen geändert. Es sind deutlich weniger Autos auf den Straßen. In den Geschäften ist viel weniger los. Die Ambulanzen in den Spitälern sind leer, auch aus den Bettenstationen flüchten die Menschen.

Seit Dezember sind Tausende von ICE-Beamt:innen in Minneapolis, um in einer Schwerpunktaktion Menschen festzunehmen, die sich angeblich illegal im Land aufhalten. Die ICE-Beamt:innen sind schlecht ausgebildet, die rechtliche Grundlage ist bestenfalls wackelig – und es sind zuletzt zwei US-Bürger:innen - Renée Good und Alex Pretti - von diesen ICE-Beamt:innen erschossen worden.

Es herrscht in Minneapolis ein Klima der Angst. „Wenn du hispanisch, asiatisch oder afroamerikanisch aussiehst, dann wirst du von den ICE-Beamt:innen einfach festgenommen und ins Auto gesetzt. Die wollen gar nicht deinen Ausweis sehen. Dann wirst du herumgefahren. Meistens bemerken sie erst nach 10 Stunden, dass es sich um eine:n US-Bürger:in handelt und man wird freigelassen.“ Wenn man Pech hat, wird man aber ins Flugzeug gesetzt, erzählt McDonald. Dann kommt man nach Texas, das fünf Flugstunden entfernt ist, wo es ein riesiges Aufhaltezentrum gibt. Er kennt Fälle, bei denen Menschen mit US-Pass oder zumindest gültiger Aufenthaltsberechtigung erst in Texas freigelassen werden. Ohne Entschädigung, Geld, Telefon oder ein Flugticket nach Hause.

„Es ist ICE auch egal, ob es einen richterlichen Beschluss gegen diese Anhaltung gibt. Das verärgert langsam auch die Bundesgerichte, dass die Justiz so mit Füßen getreten wird“, erzählt McDonald. „Unsere US-amerikanische Tradition besagt, dass selbst wenn man unzufrieden mit einem Gerichtsbeschluss........

© Wiener Zeitung