Wahlkampf auf Social Media: Wie Graz um Stimmen scrollt
Die Grünen machen Fit-Check mit Stoffsackerln. Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) deckt im Reel die „Wahrheit über das Grazer Budget“ auf. Die SPÖ greift den KPÖ-Kandidaten im Tigermückenkostüm an. Die FPÖ warnt vor der „schleichenden Islamisierung“. Die ÖVP grantelt über Blumenbeete, wo Parkplätze sein könnten. Und mittendrin bettelt „Hamsti“ mit Kulleraugen um mehr Wahlbeteiligung.
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Am 28. Juni wählt Graz. Es ist eine Stadtwahl im Zeitalter des Scrollens: Zwischen Katzenvideos, Fitnessclips und Memes wird auch um Stimmen gekämpft. Doch wie versuchen die Parteien, die Wahl im Feed zu gewinnen? Welche Plattformen zählen, wer geht viral und wer unter?
Mittlerweile haben es alle Parteien gecheckt: Ohne Social Media geht’s nicht, sagt Kommunikationswissenschaftler Jakob-Moritz Eberl von der Uni Wien. „Der Wahlkampf auf Social Media ist unabdingbar, genauso wie Plakate, Dreiecksständer und Inserate.“ Gerade in einer Studierendenstadt wie Graz erreicht man junge Wähler:innen sonst kaum.
Nur: Die Spielregeln haben sich gerade geändert. Seit Herbst 2025 ist bezahlte politische Werbung auf Facebook und Instagram in der EU verboten – Meta reagierte damit auf neue EU-Vorgaben zu Transparenz und Targeting politischer Werbung. „Ein massiver Game-Changer“, sagt Markus Zimmer vom Marktforschungsinstitut BuzzValue. Was bis vor Kurzem Standard war – ein, zwei Monate vor der Wahl Geld in Reichweite zu stecken –, funktioniert auf Meta so nicht mehr. Wer Aufmerksamkeit will, muss sie sich jetzt verdienen: über Interaktion, aktive Communitys und Inhalte, die Menschen teilen, kommentieren oder liken. „Hohe Interaktion befeuert den Algorithmus und sorgt für organische Reichweite“, sagt Zimmer. Heißt: Wer die letzten Jahre auf Social Media geschwiegen hat, kann Aufmerksamkeit kurz vor der Wahl nicht mehr einfach nachkaufen.
Graz – aktuell regiert von KPÖ-Grüne-SPÖ – wird zum Prüfstand. BuzzValue hat für die WZ 39 Social-Media-Profile der Grazer Parteien und Spitzenkandidat:innen ausgewertet – von 1. April bis 18. Juni. In diesem Zeitraum veröffentlichten sie insgesamt 1.637 Beiträge und erzielten rund 344.300 Interaktionen – sprich etwa Likes, Kommentare, Shares und Saves. Und das Ergebnis überrascht.
FPÖ abgeschlagen, Grüne und KPÖ vorne
Die FPÖ, sonst auf Bundes- und Landesebene „immer total dominant“, liegt in Graz bei den Interaktionen nur im Mittelfeld. Zählt man Partei und Kandidat:in zusammen, führen die Grünen mit rund 104.200 Interaktionen, knapp gefolgt von der KPÖ mit rund 92.100. Dahinter folgen ÖVP (42.400), FPÖ (17.900) und SPÖ (17.800). FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab performt nach BuzzValue „relativ schwach“: Sein Facebook- und Instagram-Auftritt kommt zusammen auf magere 5.800 Interaktionen. Ganz vorne liegen zwei Frauen: Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) – mit ihren persönlichen Accounts genauso wie über die Parteikanäle. Die KPÖ Graz holt auf Instagram rund 40.900 Interaktionen, Schwentner persönlich knapp 39.900.
Der Grund: Beide posten nicht erst seit Wahlkampfbeginn, sondern sind schon die ganze Legislaturperiode aktiv. Dazu kommt der Amtsbonus. Bürgermeisterin und Vizebürgermeisterin scheinen bekannter, etablierter, greifbarer. „Auf einem personenbezogenen Kanal wie Instagram geht es vor allem darum, wie authentisch jemand im Auftritt ist“, sagt Zimmer.
Sechs Parteien, sechs „Vibes“
Inhaltlich bleibt die KPÖ bei ihren Kernthemen Wohnen und Soziales. Kahr trägt die Kampagne als Person, wird aber zunehmend mit dem jungen Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (39) als Duo inszeniert. „Es macht Sinn, das vergleichsweise junge Gesicht herzuzeigen und über kurz oder lang einen Wechsel vorzubereiten“, kommentiert Eberl.
Die Grünen sind aus Eberls Sicht „wahrscheinlich die professionellsten“: stark auf Instagram und TikTok, mit Themen, die unter Jungen in Graz ziehen – Verkehr, Begrünung der Innenstadt, Angebote für Jugendliche. Spielerisch verpackt, mit einem Mix aus Reels, Kurzvideos, Infoslidern und Memes. Genau diese Kombination, so Eberl, sei der Kontrast zur FPÖ.
Denn dort steht weniger Spitzenkandidat Apfelknab im Zentrum als Parteichef und Landeshauptmann Mario Kunasek – „vermutlich, weil Apfelknab für Junge nicht so ansprechend und Kunasek vielen vertraut ist“, sagt Eberl. Dazu kommt: Die Grazer FPÖ steckt nach dem Finanzskandal........
