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Rückkehr nach Syrien: Merz macht einen alten Fehler

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30.03.2026

Friedrich Merz lässt die Zahl bei der Pressekonferenz mit dem syrischen Übergangspräsidenten am Ende fallen, fast beiläufig: 80 Prozent der hier lebenden Syrerinnen und Syrer sollen in den kommenden drei Jahren nach Syrien zurückkehren – das sei der Wunsch von Ahmed al-Scharaa. Und offenbar ist es auch der Wunsch des Bundeskanzlers.

Gemeint ist: 80 Prozent von fast einer Million Syrern, die hier leben. Die hier arbeiten, oft in Branchen, die händeringend Fachkräfte suchen. Deren Kinder hier zur Schule gehen und oft nur noch verschwommene Erinnerungen an Syrien haben, wenn überhaupt.

Es stimmt: Syrien braucht Rückkehrer, die das Land aufbauen. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Zerstörung ist immens. Es ist deshalb richtig, die zu unterstützen, die zurückgehen wollen. Aber wenn die Bundesregierung glaubt, dass 80 Prozent der hier lebenden Syrer die hart errungene Stabilität in Deutschland hinter sich lassen, um dort schon wieder von vorn anzufangen, dann vergisst sie eine Lektion aus der eigenen Geschichte.

Bis 1973 wurden in der Bundesrepublik Arbeitskräfte aus Südeuropa angeworben. Ab 1983 sollten sie dann wieder gehen – motiviert durch eine „Rückkehrprämie“ von 10.500 Mark. Angenommen haben dieses Angebot damals 14.000 Menschen. Die anderen blieben in Deutschland, wo sie sich inzwischen ein Leben aufgebaut hatten. Ein Faktor, den die damalige Regierung völlig unterschätzt hatte.

Auch wenn es einen Unterschied gibt zwischen Angeworbenen und Geflüchteten: Die Zahl 14.000 sollte der Kanzler im Kopf haben, wenn er über die Zukunft von Syrern in Deutschland nachdenkt.


© Westfaelische Rundschau