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Die Bundeswehr wächst. Aber die Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit

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27.10.2026

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Die Bundeswehr wächst. Aber die neuen Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit

27. Oktober 2026 | Reinhard Schlieker | Lesezeit: 4 Min.

Mehr als 190.000 Soldaten sind eine Erfolgsmeldung für die Bundeswehr. Doch dahinter verbergen sich erhebliche Personallücken und eine brisante Änderung der Statistik.

VON REINHARD SCHLIEKER

Mehr Bewerber, mehr Soldaten: Das Verteidigungsministerium meldet den ersten Sprung über den gesetzlichen “Aufwuchskorridor”. Kürzlich hat die Truppenstärke die 190.000-Marke überschritten. Doch die Zahl stammt vom einstellungsstärksten Tag des Jahres, die offizielle Monats-Statistik kennt sie noch nicht – und in der Truppe sind nach wie vor sechs von zehn Dienstposten mancherorts unbesetzt.

Die Nachricht klang nach Wende: Erstmals seit Inkrafttreten des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes hat die Bundeswehr die Marke von 190.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten überschritten. Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) verzeichnete zu Monatsbeginn eine Personalstärke oberhalb des für 2026 gesetzlich festgelegten Korridors von 186.000 bis 190.000 (§91 Soldatengesetz - SG). Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte die Zahl bereits auf dem Arbeitgebertag der Bundesvereinigung BDA genannt und von „knapp 192.000“ gesprochen. Also klappt ja alles wie geplant, auch ohne Wehrpflicht?

Wer die Pressemitteilung des Ministeriums liest, stößt hingegen auf eine Lücke. Die veröffentlichte Personalstatistik der Bundeswehr endet bis dato am 30. September. An diesem Stichtag dienten rund 186.200 Soldatinnen und Soldaten – 200 weniger als Ende August, und der zweite Rückgang in Folge. Die mehr als 190.000 sind dagegen eine Momentaufnahme nach dem 1. Oktober, dem Tag, an dem bundesweit die Basisausbildungen beginnen und die Bundeswehr traditionell die meisten Rekruten einstellt. Die offizielle Oktober-Zahl erscheint dagegen erst Mitte November.

Der Sprung ist sicher real. Die Frage ist nur, was davon bleibt. Rund zwanzig Prozent der Rekruten brechen ihren Dienst vorzeitig ab, berichtete die FAZ kürzlich aus Gesprächen mit jungen Soldaten. Ein Hauptgefreiter des Heimatschutzregiments 1 etwa beschreibt dort Bewerber, die vom frühen Geld angelockt werden und erst in der Grundausbildung merken, wie fordernd der Dienst tatsächlich ist.

Hinzu kommt natürlich die Frage der Tauglichkeit: Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion........

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