Küppersbusch fantasiert von Nürnberger Fernsehverbrecher-Prozessen
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Küppersbusch fantasiert von Nürnberger Fernsehverbrecher-Prozessen
19. April 2026 | Rainer Zitelmann
Der WDR-Moderator prognostiziert in ZDF-„heute-show“ drastische Maßnahmen gegen die Entscheider in öffentlich-rechtlichen Sendern - weil hier auch liberale oder konservative Journalisten wie Jan Fleischhauer ein Sendeformat haben
Friedrich Küppersbusch ereiferte sich in der ZDF-„heute-show“ vom 17. April darüber, dass in ARD und ZDF manchmal Liberale und Konservative wie etwa Jan Fleischhauer (Focus), Paul Ronzheimer (Bild) und Julia Ruhs zu Wort kommen.
Sein Hass richtet sich auch gegen diejenigen, die so etwas zulassen: „Viele Entscheider in den Sendern werden später bei den Nürnberger Fernsehverbrecherprozessen auf Mitläufer plädieren."
Wenn Sie es nicht glauben, dass er diesen ungeheuerlichen Satz gesagt hat, sehen Sie selbst unter diesem Link ab Minute 30:00.
Lustig? Nein, finde ich nicht.
Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen standen führende Nationalsozialisten vor Gericht. Zwölf Angeklagte wurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Sieben Angeklagte erhielten langjährige oder lebenslange Haftstrafen. Drei Angeklagte wurden freigesprochen: Von den zwölf zum Tod Verurteilten wurden zehn am 16. Oktober 1946 in der Sporthalle des Zellengefängnisses Nürnberg erhängt: zuerst Joachim von Ribbentrop, dann Ernst Kaltenbrunner, Wilhelm Keitel, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Wilhelm Frick, Julius Streicher, Fritz Sauckel, Alfred Jodl und zuletzt Arthur Seyß-Inquart. Hermann Göring hatte keine drei Stunden zuvor mittels einer Zyankali-Kapsel Suizid begangen, Martin Bormann war in Abwesenheit verurteilt worden.
Wünscht Küppersbusch den Entscheidern bei ARD und ZDF den Tod? Wohl kaum. Warum spricht er dann von den „Nürnberger Fernsehverbrecherprozessen“? Worin besteht das Verbrechen in diesem Fall? Haben die ZDF-Entscheider einen Angriffskrieg entfesselt oder Millionen Juden auf dem Gewissen? Nein. Das – aus Küppersbusch offenbar vergleichbare – Verbrechen besteht darin, neben den ganz überwiegend linken und grünen Journalisten ausnahmsweise auch mal ein paar liberale bzw. konservative Journalisten zu Wort kommen zu lassen.
Ein Gedankenexperiment
Klar, das ist alles nur „Satire“. Aber lassen Sie mich mal ein Gedankenexperiment machen: Jan Fleischhauer hätte in seiner Sendung kritisiert, dass linke Journalisten wie etwa Georg Restle, Jan Böhmermann oder Dunja Hayali zu Wort kommen und Ulrike Hermann Dauergast in den Talkshows ist. Und er hätte dann gesagt: „Viele Entscheider in den Sendern werden später bei den Nürnberger Fernsehverbrecherprozessen auf Mitläufer plädieren“. Die Aufregung wäre zu Recht groß. Fleischhauer wäre seinen Job los gewesen. Auch die Ausrede, es sei ja „nur Satire“ gewesen, hätte ihm nicht geholfen. Nun, ich bin sicher, Jan Fleischhauer wäre nicht einmal auf den Gedanken gekommen, einen solchen Vergleich zu ziehen. Küppersbusch hat es gemacht. Folgen?
Rainer Zitelmann ist Historiker – demnächst erscheint sein Buch: „Zero-Sum Mindset. Die Nullsummenfalle.“
