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„20 Jahre steuerfrei“: Erdogan Kampfansage an Europas Wirtschaftspolitik

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11.05.2026

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„20 Jahre steuerfrei“: Erdogan Kampfansage an Europas Wirtschaftspolitik

11. Mai 2026 | Oliver Stock | Lesezeit: 5 Min.

Am Bosporus kündigt der Präsident ein Angebot an: radikale Steuersenkungen, null Abgaben für Auslandsgewinne und der Anspruch, zum neuen globalen Investoren-Hub zu werden. Es ist das Gegenteil von dem, was Deutschland macht

An diesem Tag will der türkische Präsident Geschichte schreiben, Wirtschaftsgeschichte zumindest. Es ist der 24. April als Recep Tayyip Erdoğan im sogenannten Dolmabahçe-Arbeitsbüro, dem historischen osmanischen Regierungssitz direkt am Bosporus und heute eine repräsentative Residenz und Machtzentrale des Präsidenten, ein Angebot macht, das in europäischen Finanzministerien wie ein Tabubruch klingen muss.

Draußen ziehen Frachter durch die Meerenge, die Europa und Asien trennt, der Verkehr der Millionenstadt tost wie ein fernes Grundrauschen. Drinnen nimmt alles seinen protokollarischen Gang. Erdoğan tritt vor die geladenen Vertreter aus Wirtschaft, Finanzwelt und Politik und hält sich nicht lange mit Details auf, sondern skizziert die große Linie: „Jeder versucht in dichtem Nebel seinen Weg zu finden“, sagt er. Und genau in diesem Nebel wolle Ankara nun Leuchtturm sein.

Das Signal, das er sendet, ist nicht zu übersehen. Die Türkei will ausländische Unternehmer, vermögende Zuzügler, Finanzfirmen, Exporteure und digitale Dienstleister ins Land locken mit Steuersätzen, die eher nach Briefkasten-Residenz oder Golfstaat als nach OECD-Land klingen. Das präsidiale Paket, das jetzt ins Parlament geht, ist spektakulär: Wer als neuer Steuerresident in die Türkei zieht und zuvor mehrere Jahre nicht dort steuerpflichtig war, soll........

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