Black April: Das Ende in Vietnam und die USA im Iran-Krieg
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Black April: Das Ende in Vietnam und die USA im Iran-Krieg
26. April 2026 | Maurice Dorffer
Die Gegenwart als Echo der Geschichte: Politische Narrative, militärische Realität und der Moment, in dem jenseits der Selbstgewissheit das Bild einer Niederlage aufscheint
VON MAURICE OLIVIER DORFFER
Am 30. April 1975 walzten zwei Panzer der nordvietnamesischen Armee den Zaun des Unabhängigkeitspalastes nieder, des Regierungssitzes Südvietnams im Herzen Saigons (heute Ho-Chi-Minh-Stadt). Die Bilder gingen um die Welt: der Moment, in dem aus einem langen, zermürbenden Krieg eine unumkehrbare Tatsache wurde. Der Vietnamkrieg, der mit dem Tonkin-Zwischenfall und der darauffolgenden massiven US-Intervention eskalierte, fand nach rund anderthalb Jahrzehnten sein abruptes Ende.
In der südvietnamesischen Diaspora wird dieses Ereignis – eingeleitet durch die nordvietnamesische Frühjahrsoffensive 1975 und kulminierend in der Einnahme Saigons – bis heute als „Black April“ bezeichnet. „Black April“ steht seither sinnbildlich für die Niederlage einer technologisch und militärisch überlegenen Supermacht gegen einen Gegner, der in der westlichen Wahrnehmung als unterlegen galt. Ein „Bauernvolk“, in Ho-Chi-Minh-Sandalen und mit Kalaschnikows bewaffnet, hatte der US-Kriegsmaschinerie standgehalten.
Doch die Bedeutung dieser Niederlage reichte weit über den militärischen Rückzug hinaus. Die Vereinigten Staaten verloren nicht nur einen Krieg, sondern sichtbar vor der Weltöffentlichkeit den Anspruch, globale Konflikte nach eigenen Vorstellungen entscheiden zu können. Die Grenzen amerikanischer Macht wurden offengelegt, mit Folgen für Außenpolitik, Innenpolitik und das Selbstverständnis einer ganzen Epoche.
In diesen Tagen verdichtet sich in Washington der Eindruck, dass die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump erneut in einen Konflikt geraten sind, dessen Ausgang sich bereits jetzt als strategisch unheilvoll erweist. Ja, es scheint erneut ein „Black April“-Moment kurz vor der Tür zu stehen. Gewiss ist der Krieg gegen den Iran noch nicht abgeschlossen. Dass sich jedoch eine Szene wie einst unter George W. Bush wiederholen könnte, als dieser 2003 auf der USS Abraham Lincoln vor dem Banner „Mission Accomplished“ den vermeintlichen Sieg im Irakkrieg verkündete, erscheint in diesem Konflikt zunehmend unwahrscheinlich. Niederlagen in solchen Konflikten beginnen selten mit einer offiziellen Kapitulation, sondern mit der Erosion der eigenen Erzählung.
Auffällig ist dabei vor allem der Wirrwarr der politischen Kommunikation aus dem Weißen Haus. Trump selbst hat den Konflikt wiederholt als „gewonnen“ bezeichnet, teilweise sogar bereits in der........
