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Wie die Deutschen ticken: Jeder Dritte für Unions-Mehrheiten mit AfD

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Wie die Deutschen ticken: Jeder Dritte für Unions-Mehrheiten mit AfD

15. März 2026 | Hermann Binkert

INSA-Umfrage: Nur ein Viertel der Deutschen wählt bei Landtags- und Bundestagswahlen immer gleich. Daten zeigen ein deutlich flexibleres Wahlverhalten – und erklären, warum Umfragen und Ergebnisse sich plötzlich drehen können

Die erste Landtagswahl dieses Jahres hat gezeigt, dass Stimmungen sich ändern und sicher geglaubte Sieger am Ende das Nachsehen haben können. Noch im Oktober 2025 lag bei den Umfragen zu Baden-Württemberg die CDU 14 Prozentpunkte vor den Grünen, eine Woche vor der Wahl betrug der Abstand nur noch drei Prozentpunkte und am Wahltag landeten die Grünen einen halben Prozentpunkt vor der Union. Ob fünf Monate vor der Wahl oder zwischen zwölf und fünf Tage vor der Wahl, regelmäßig wird nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Erhebung gespiegelt. Ob sich Trends fortsetzen oder umkehren und in welcher Geschwindigkeit, lässt sich nicht vorwegnehmen. Deshalb verzichtet INSA auch auf Projektionen, die mutmaßlich Wahlabsichten zum Zeitpunkt der Wahl abbilden sollen.

Gut jeder vierte Befragte (26 Prozent) sagt uns, dass er bei einer Landtagswahl in seinem Bundesland grundsätzlich immer die gleiche Partei wie bei einer Bundestagswahl wählt. 46 Prozent tun dies meistens und 18 Prozent stimmen bei einer Landtagswahl anders als bei einer Bundestagswahl. 82 Prozent der aktuellen AfD-Wähler auf Bundesebene geben bei Landtagswahlen und der Bundestagswahl immer (43 Prozent) oder meistens (39 Prozent) ihrer Partei ihre Stimme. In der CDU/CSU-Wählerschaft sind es sogar 87 Prozent, die immer (31 Prozent) oder meistens (56 Prozent) für die Union stimmen. Und unter den SPD-Wählern sind es kumuliert 83 Prozent, welche immer (28 Prozent) bzw. meistens (55 Prozent) bei Landtags- und Bundeswahlen gleich abstimmen. Bei den Wählern aller andern Parteien liegt der Anteil der immer (17 bis 25 Prozent) oder meistens (49 bis 59 Prozent) gleich abstimmenden Wähler kumuliert jeweils bei unter 80 Prozent.

Mit der AfD stimmen? Relative Mehrheit sagt nein

Bündnis90/Die Grünen und CDU erzielten bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg zusammen 59,9 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen. Beide Parteien haben die gleiche Anzahl an Mandaten im Landtag. Sie verfügen zusammen über 70 Prozent der Mandate. Bezogen auf alle Wahlberechtigten kommt Grün-Schwarz allerdings nur auf eine Zustimmung von 41,4 Prozent.

Größte Gewinnerin der Landtagswahl war die AfD, sie verbesserte sich um 9,1 Prozentpunkte auf 18,8 Prozent und wird Oppositionsführerin im Südwesten.

Fast jeder Dritte (32 Prozent) ist bei unserer bundesweiten Meinungstrend-Umfrage dafür, dass die Union in Parlamenten Mehrheiten mit der AfD zulässt, wenn bei Parteien inhaltlich übereinstimmende Positionen vertreten. Die relative Mehrheit von 40 Prozent ist jedoch dagegen und 13 Prozent der Befragten ist es egal. Westdeutsche (31 Prozent dafür, 42 Prozent dagegen) sind relativ mehrheitlich dagegen, Ostdeutsche (39 Prozent dafür, 34 Prozent dagegen) sind relativ mehrheitlich dafür.

Beim Blick auf die Anhängerschaft der Parteien sieht man, dass die Wähler von AfD, FDP und BSW mehrheitlich für eine Zusammenarbeit von CDU/CSU und AfD bei übereinstimmenden inhaltlichen Positionen sind, während die Wähler von Union, SPD, Grünen und Linken mehrheitlich dagegen sind. Auf der einen Seite sind 35 Prozent der CDU/CSU-Wähler für eine Zusammenarbeit mit der AfD und zwölf Prozent wäre eine Zusammenarbeit egal, auf der anderen Seite sprechen sich 46 Prozent gegen eine Zusammenarbeit aus. Die Debatte um dieses Thema wird mit jeder weiteren Wahl eher zu- als abnehmen, und auch Machtworte der Parteiführungen werden sie wahrscheinlich nicht beenden.


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