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Hildegard von Bingen in Venedig: Wie der Vatikan die Stille hörbar macht

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29.08.2026

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Hildegard von Bingen in Venedig: Wie der Vatikan die Stille hörbar macht

29. August 2026 | Constantin Graf von Hoensbroech und Ulrike Gräfin von Hoensbroech

Auf der Biennale in der Lagunenstadt überträgt Alexander Kluge das Werk der deutschen Mystikerin in eine meditative Klanglandschaft.

VON CONSTANTIN VON HOENSBROECH UND ULRIKE VON HOENSBROECH

Sanft erhebt sich der Gesang, klingend wie ein Lied aus weit zurückliegender Zeit. Zunächst solistisch mit einer Frauenstimme, dann mehrstimmig. Der fragile Klang verdichtet sich, nimmt immer deutlicher Volumen und Struktur an. Harfentöne mischen sich filigran in die musikalische Installation, elektronische Sequenzen treten hinzu. Das kleine melodische Kunstwerk sucht Raum, entfaltet sich. Während Besucher über die ebenso hochwertigen wie bequem sitzenden Kopfhörer in diese bislang un-erhörte Klangwelt hineinhorchen, wandert ihr Blick über die vor ihnen liegende Gartenlandschaft. Die Klanginstallation changiert gleichsam aus dem Ohr der Zuhörer in die Weite, gleitet die langen Mauern mit den davor stehenden Hortensien entlang, legt sich liebevoll über die paradiesische Welt voller Pflanzen, Kräutern und Bäumen.

Wir befinden uns in Venedigs Giardino Mistico, dem Mystischen Garten der unbeschuhten Karmelitenpatres – eine versteckte, grüne Oase der Ruhe direkt neben dem Bahnhof Venezia Santa Lucia im Sestiere Cannaregio. Er liegt verborgen hinter den Klostermauern und der Barockkirche Santa Maria di Nazareth.

Wenn die Besucher einige Meter gehen, ändert sich behutsam das Klangbild. Elektronische Musik tritt deutlicher hervor und nimmt sich doch wieder zurück, als plötzlich das Geläut einer Glocke in den Vordergrund drängt. Danach nehmen die Tonlinien wieder Kontur an und mäandern durch einen klanglichen Kosmos, der keinen Anfang und kein Ende zu kennen scheint. Wer sich dabei auf einer der schlichten blockartigen Holzbänke am Wegesrand niederlässt und auf die Rebzeilen des Weinbergs schaut, wird ein leises Klirren vernehmen. Es entsteht, wenn die an einigen Bäumen aufgehängten gläsernen Stangen schon bei kleinsten Luftbewegungen in kaum merkliche Schwingungen versetzt werden und in Berührung kommen.

Immer wieder werden Geräusche von außerhalb in den Klangteppich eingewoben — etwa der schrille Ton einer Pfeife und das darauf folgende typische Geräusch eines abfahrenden Zuges auf dem nahen Bahnhof. Die Geräusche der Außenwelt werden über spezielle Technik in Echtzeit über die Kopfhörer integriert, sodass........

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