Trump hat den Bogen überspannt: Warum seine Provokationen Amerika kaum noch schockieren
Link in die Zwischenablage kopieren
Trump hat den Bogen überspannt: Warum seine Provokationen Amerika kaum noch schockieren
22. August 2026 | Ansgar Graw
Er will die Straße von Hormus annektieren und den Handelskrieg mit Kanada: Donald Trumps Tabubrüche machten ihn 2015 zum politischen Star. Heute verpuffen seine Drohungen – und seine Umfragewerte fallen auf einen Tiefstand.
Donald Trump will die Straße von Hormus zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären. Das sagte der US-Präsident vor wenigen Tagen auf einer Kundgebung in New Jersey.
Gestern folgte Trumps Ankündigung eines faktischen Handelskrieges mit dem Nachbarn Kanada: er werde bestimmte Produkte, darunter Wein, Hockeyschläger, Möbel sowie Milchprodukte, mit einer 50-Prozent-Steuer belegen.
Beide Nachrichten sind ungeheuerlich – und hätten noch vor kurzem die Schlagzeilen auf Tage bestimmt: Der Regent der Weltmacht Nr. 1 droht die Annexion fremden Terrains an. Und die USA und Kanada, lange Jahrzehnte die engsten Wirtschaftspartner auf dem amerikanischen Kontinent, befinden sich auf einem radikalen Konfliktkurs – denn Kanadas Premier Mark Carney will Gegenzölle auf der Basis „Dollar für Dollar“ ab dem 8. September erheben.
Dennoch blieb das erwartete Entsetzen blieb aus: Was früher einen politischen Schock ausgelöst hätte, war diesmal kaum mehr als eine Meldung im Nachrichtenstrom. Beim Iran: Medien berichteten, Teheran protestierte, die Börsen nahmen keine erkennbare Notiz – und Amerika wandte sich wieder anderen Themen zu. Bei Kanada: Nicht mit Entsetzen reagiert die Bevölkerung auf die Ankündigung aus Washington, sondern mit der klaren Erwartung an die eigene Regierung, ebenso hart zurückzuschlagen. 56 Prozent der Kanadier wünschen sich laut dem Marktforschungsinstitut Leger, dass Ottawa eine harte Linie verfolgt und keine weiteren Zugeständnisse macht; lediglich Prozent befürworten gegebenenfalls Flexibilität. Und Karney scheint seit geraumer Zeit entschlossen, dass man Trumps Schläge nur mit Gegenschlägen beantworten kann.
Was war diesmal anders? Der Präsident hat die Provokation so oft zur politischen Waffe gemacht, dass selbst eine kaum verhüllte Annexionsdrohung oder ein neuer Handelskrieg nur noch begrenzt Aufmerksamkeit erzeugen. Trump hat den Bogen überspannt. Dass er nun den Iran mit dem "härtesten Handelskrieg" aller Zeiten in die Knie zwingen will, klingt eher nach Verzweiflung eines Mannes, der Teheran doch schon so häufig als besiegt........
