menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Die urgewaltige Wut, in der ich alles niederbrennen kann

28 0
23.08.2026

S eit Teenagerzeiten habe ich einen wiederkehrenden Albtraum: Ich wasche mir die Hände auf der Toilette eines Einkaufszentrums. Als ich rauskomme, steht die Polizei da, um mich wegen dringenden Mordverdachts festzunehmen. Im Hintergrund machen meine Eltern betroffene Gesichter, sie können jetzt auch nichts mehr tun. „Oh nein“, denke ich voller Reue, „ich muss ins Gefängnis, mein Leben ist ruiniert! Warum nur habe ich jemanden umgebracht?“

Träume sollte man nicht überbewerten, aber das Gefühl, mich selbst nicht zuverlässig steuern zu können, verfolgt mich nicht nur nachts. Als Kind fuhr ich mal in einer offenen Seilbahn rund 70 Meter über einen Wasserstrudel bei den Niagarafällen, und meine größte Angst war, dass ich über die Brüstung springe. Gesagt habe ich das niemandem, es kam mir schon mit fünf Jahren verrückt vor, so zu denken.

Die Angst ist mit der Zeit kleiner geworden – aber nur, weil ich als Erwachsene........

© taz.de