Ein letzter Rest Glamour
J ede Berufsgruppe hat ihr Branchenevent. Für ein Goldfischli ist es die Snackmesse, für mich das Theatertreffen. Und wie es sich für eine seriöse Kritikerin mit einer Spur von Fangirl gehört, habe ich schon Fomo, bevor die Stückauswahl überhaupt bekanntgegeben worden ist. Dabei ist es für mein nervöses Fischli-Gehirn längst Folter, sich über mehrere Stunden hinweg zu konzentrieren, ohne dass zwischendurch irgendetwas weggewischt werden kann.
„Du wirst sehen, in ein paar Tagen wird es dich furchtbar nerven“, prophezeit mir deshalb auch ein Kollege. „Kommst du etwa nicht zur Eröffnung?“, frage ich. „Nein, da bin ich bei Rosalía“, sagt er. Dieser Distinktionspunkt geht an ihn.
Drei Tage später sitze ich ultralässig mit dem Roman einer gehypten japanischen Autorin im Festspiel-Garten und tue so, als ob ich lesen würde. Das Buch ist mein Zigarettenersatz, aber........
