PlugMate im Test: Android aus dem Stick, aber kein Gerät für blindes Vertrauen
PlugMate im Test: Android aus dem Stick, aber kein Gerät für blindes Vertrauen
PlugMate bringt Android in Stickgröße. Der Test zeigt starke Isolation, APKs und Apple-Nutzen, aber Schwächen bei Software und Vertrauen.
PlugMate bringt sein eigenes Android mit
Plattformübergreifende Nutzung möglich
Am Rechner ersetzt PlugMate jedoch kein DeX
Sprache und Zeitzone muss der Hersteller noch fixen
Weitere Kinderkrankheiten, die man noch ausmerzen sollte
Ein eigenes Android-Gerät für Apple-Nutzer
PlugMate trennt 2FA, Wallets und deine Identitäten
Das Gerät hinterlässt im Mobilfunknetz keine Spuren
Ein Remote-Zugriff über Smartphone und KVM ist möglich
PlugMate verleiht älteren Smartphones neue Funktionen
Offene Software würde PlugMate deutlich aufwerten
PlugMate ist kein beliebiges Android-Spielzeug
Open Source Software würde das Gerät aufwerten
Unser Fazit: PlugMate ist cool, aber nicht perfekt!
Der Preis ist angemessen
PlugMate sieht aus wie ein typischer kleiner USB-C-Stick. Dahinter steckt jedoch kein Zubehör für ein Android-Gerät, sondern ein eigenständiges Android-System. Der Stick verfügt über eigene Hardware und eigenen Speicher und läuft mit dem Betriebssystem PlugOS. Das angeschlossene Smartphone, Tablet oder der Rechner liefern nur Bildschirm, Eingabe, Strom und das Netzwerk.
Damit ist PlugMate weder Samsung DeX, kein Pixel-Desktopmodus und auch kein Linux auf dem Smartphone. Erklärung: DeX verwandelt ein Samsung-Smartphone in ein Desktopgerät. PlugMate bringt dagegen ein zweites Android mit, das nur eine Oberfläche zur Darstellung braucht. Die App auf dem Host zeigt dieses System an. Das ist nicht das System selbst.
Im Test merkt man diesen Unterschied natürlich sofort. Die Idee dahinter ist gut, erfrischend neu und auch kreativ. Ein getrenntes Android im Stickformat ist praktisch, gerade für APKs, GitHub-Apps, Tests, Wallets, Zwei-Faktor-Apps und natürlich besonders für Apple-Nutzer. PlugOS fühlt sich aber noch nicht an jeder Ecke fertig an, sondern wie ein Work in Progress. Das fällt besonders auf, wenn ein Hersteller mit Sicherheit, Privatsphäre und Isolation wirbt, obwohl dies eigentlich noch gar nicht der Fall ist.
PlugMate bringt sein eigenes Android mit
TrustKernel bewirbt den PlugMate als daumengroßen, privaten Android-Computer. Der von mir getestete Stick verfügt laut Hersteller über einen Octa-Core-Prozessor, 4 GB RAM, 128 GB Speicher sowie das Betriebssystem PlugOS auf Android-Basis. Es gibt auch eine stärkere Variante mit 6 GB RAM und 256 GB Speicher. Diese stand zum Zeitpunkt meines Tests aber nicht zur Verfügung und konnte mir deshalb nicht mitgeschickt werden. Getestet wurde also die kleinere Version.
Unser Testgerät kam in Rosé. Funktional spielt die Farbe keine Rolle, optisch hätten mir Grau oder Schwarz besser gefallen. Durch das gerippte Case zur Kühlung, das man um den Stick legen kann, wirkt PlugMate deutlich neutraler und weniger wie ein auffälliges Technikspielzeug. Am Ende macht der Stick seinen Job. Eine dezentere Farbe hätte trotzdem besser zum Anspruch als privates Sicherheitsgerät gepasst. Mit solchen Geräten möchte man nicht unbedingt auffallen. Schon die Nutzung von OTG, dem USB-Standard On-The-Go, ist in der Öffentlichkeit auffällig genug.
Für unterwegs ist der mitgelieferte Winkeladapter hilfreich. Damit steht der PlugMate nicht nach unten ab, sondern liegt hinten am Smartphone oder Case an. Das wirkt stabiler und belastet den USB-C-Port weniger. Gerade wenn man das Smartphone in der Hand hält, ist das deutlich angenehmer als ein Stick, der unten herausragt.
Plattformübergreifende Nutzung möglich
Das Gerät unterstützt Android, iOS, Linux, Windows und macOS, sofern das Hostgerät über USB-C und OTG verfügt. Die Daten bleiben auf der Hardware des Sticks und sind vom Hostgerät getrennt. In der Praxis läuft das unkompliziert: Stick anstecken, Host-App öffnen, PlugOS starten. Die Apps, Daten und Einstellungen liegen auf dem Stick, während das Hauptgerät nur die Oberfläche bereitstellt.
Damit ist PlugMate mehr als nur eine klassische Sandbox-App. Sie bietet einen echten Mehrwert für getrennte Identitäten, Test-Apps, Wallets oder sensible Werkzeuge. Es ist nicht nötig, alles auf dem Hauptgerät zu installieren. Man braucht auch kein altes Zweit-Smartphone nur für ein paar Android-Apps. PlugMate ist klein, leicht und schnell einsatzbereit. Genau so muss es sein, wenn es nach mir geht.
Am Rechner ersetzt PlugMate jedoch kein DeX
Am PC zeigt PlugOS klar seine Grenzen. Es läuft nicht wie ein klassischer Desktop. Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas Ähnliches wie den „Pixel Android Desktop Mode” von DeX erwartet hatte. Leider gibt es keine echte PC-Oberfläche, keine saubere Fensterlogik und keine Bedienung, die sich wie ein normales Desktop-System anfühlt. Es ist eher ein Android-Display in einem nicht veränderbaren Fenster.
Die grafische Benutzeroberfläche kann man für kleinere, schnelle Aufgaben nutzen, die man nur kurz erledigen möchte. Elegant ist es aber nicht und manchmal auch ziemlich umständlich, aber es funktioniert. Das ist die Hauptsache. PlugOS bleibt im Kern eine Touch-Oberfläche. Mit der Maus ahmt man diese Touch-Funktion nur nach. Man klickt, zieht und wischt mit einem Zeiger durch eine Oberfläche, die für die Bedienung mit den Fingern ausgelegt ist. Das funktioniert, auf Dauer ist es aber lästig.
Wer Samsung DeX oder den neuen Android-Desktopmodus erwartet, wird enttäuscht sein. PlugMate ist kein PC-Ersatz. Es ist ein eigenständiges Android, das sich auf einem PC anzeigen lässt. Das ist zwar nützlich, aber trotzdem etwas anderes.
Auf dem Pixel 9a lief der Stick grundsätzlich problemlos. PlugMate wurde erkannt, PlugOS startete sauber und die Oberfläche reagierte ohne größere Aussetzer. Die Darstellung war jedoch nicht ganz perfekt. In meinem Test fehlten oben und unten jeweils ungefähr ein Millimeter der Oberfläche. Das störte praktisch kaum. Es zeigt jedoch, dass die Host-App noch nicht auf jede Displaygröße optimal angepasst ist.
Sprache und Zeitzone muss der Hersteller noch fixen
Besonders auffällig war die Sache mit der Zeitzone. Obwohl ich bei der Einrichtung von PlugOS Deutsch und Deutschland ausgewählt habe, aktivierte das System automatisch die chinesische Zeitzone. Das lässt sich manuell ändern. Doch wenn man die automatische Einstellung aktiv lässt oder später wieder darauf zurückstellt, springt PlugOS erneut auf China.
Normalerweise würde ich über so einen Fehler hinwegsehen, wenn er nicht so gravierend wäre. In dieser Hinsicht muss das System einfach sauber funktionieren. Gerade bei Kalendern, Messengern, Banking-Apps, Wallets oder Zwei-Faktor-Apps darf die Systemzeit nicht........
