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UK verbietet Mullvads Werbung gegen Überwachung

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UK verbietet Mullvads Werbung gegen Überwachung

In Großbritannien ist mittlerweile sowohl Mullvads Werbung im TV als auch auf den Straßen verboten. Das lässt man nicht auf sich sitzen.

Überwachung als All-you-can-Eat Restaurant

UK - die Vordenkernation ...

... für Überwachung und Zensur

Mullvads Werbung verboten - "And then?"

Mullvads Werbung - unsere Meinung

Überwachung als All-you-can-Eat Restaurant

Mullvad hat international eine Werbekampagne namens „And then?“ gestartet. Eine Frau, ein Hund und zwei Männer fahren zu einer Art Drive in. Sie halten mit ihrem Pkw beim Mikrofon , um sich eigentlich ein wenig gezielte Überwachung statt Pommes und Burger zu bestellen. Doch die Dame im Schnellrestaurant stellt immer wieder die Frage, wer noch alles überwacht werden soll. „And then?“ Hinter ihnen drängelt schon das nächste Auto in der Schlange. Trotzdem kommen die vier Akteure ins Grübeln. Sie können ihre „Bestellung“ erst abschließen, als sie wirklich alles und jeden überwachen lassen, übrigens auch sich selbst. In Großbritannien fand man das unpassend. Mullvads Werbung wurde sowohl im Fernsehen als auch auf der Straße, in Bahnhöfen oder in U-Bahnen verboten.

Doch die zuständige Organisation hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Techniker von Mullvad mussten sich etwas einfallen lassen, bevor man ihr Firmenlogo wieder von überall verschwinden lassen konnte.

UK – die Vordenkernation …

Ausgerechnet das Vereinigte Königreich (UK)! Diese Nation ist seit Jahren bekannt für die vielen Kameras, die ausufernde Zensur und Massenüberwachung. Als der schwedische VPN-Anbieter Mullvad versuchte, diesen Umstand mit seiner Fernsehwerbung „And Then?“ anzusprechen, hat man den Werbespot im britischen Fernsehen verboten. Und die Außenwerbekampagne, die das Fernsehverbot kritisieren sollte, stoppten die Behörden kurze Zeit später ebenfalls. Im Blogbeitrag führt man ein paar der herausragendsten Beispiele an, um die Zensur und Überwachung zu belegen.

2025 versuchte man Apple zu zwingen, (heimlich) Hintertüren in deren Ende-zu-Ende-verschlüsselten Cloud-Dienst einzubauen. Zudem führte man im Einklang mit dem Online Safety Act Zensur ein, was unmittelbar nach dessen Inkrafttreten dazu führte, dass (unerwünschtes) politisches Material blockiert und der Zugang zu Wikipedia gefährdet wurde. Britische Politiker machten Vorschläge für eine Änderung des Children’s Wellbeing and Schools Bill, die zu clientseitigem Scannen und der Installation von staatlicher Spyware auf allen britischen Smartphones führen würde. Im April wird der Internet-Anbieter Ofcom voraussichtlich Richtlinien veröffentlichen, um im Abschnitt 121 des Online Safety Act eine vollständige Überwachung durch clientseitiges Scannen zu bewirken.

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… für Überwachung und Zensur

Doch das ist noch immer nicht alles. Kürzlich schickte das House of Lords einen Änderungsantrag an das House of Commons. Im Laufe des Jahres sollen die Politiker entscheiden, ob VPN-Anbieter eine obligatorische Identitätsprüfung ihrer Nutzer einführen müssen. In dem Fall wäre gar keine Anonymität mehr möglich. Im Februar 2026 kündigte die Regierung außerdem Pläne an, die Gesetzgebung zur Identitätsprüfung für die Nutzung von VPNs zu beschleunigen. Das sind nur „ein paar“ Beispiele, die zeigen sollen, warum Mullvads Werbung den Kern des Themas trifft.

Um auf die Missstände hinzuweisen, produzierte Mullvad den Werbespot „And Then?“. Dies ist ein Kurzfilm unter der Regie von Jonas Åkerlund. Man verwendet ihn, um den Vorschlag der EU zur Chat-Kontrolle zu kritisieren. Der Film wurde als Fernsehwerbung (in verschiedenen Versionen) beispielsweise auf den größten Fernsehsendern in Deutschland und Schweden ausgestrahlt. Auch ein paar amerikanische TV-Sender strahlten den Werbespot gegen Bezahlung aus. Im Vereinigten Königreich wurde die Kampagne jedoch vollständig gestoppt.

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Mullvads Werbung verboten – „And then?“

Clearcast lehnte Mullvads Werbung ab. Das ist die Organisation, die im UK für die Genehmigung aller TV-Spots zuständig ist. Den Mitarbeitern war das Gesamtkonzept des Streifens „nicht klar genug„. Sie nahmen auch Anstoß an bestimmten Beispielen. Man fragte sich, wen der „Sprecher“ (der Hund) repräsentiert und welche Rolle die im Auto dargestellten Personen spielen. Die erwünschte Überwachung von Pädophilen, Vergewaltigern und Mördern empfand die Firma als eine mögliche „schwerwiegende Beleidigung„.

Es könne zudem der Eindruck entstehen, dass ein VPN dazu da ist, kriminelle Aktivitäten zu erleichtern. Auch die Bezugnahme auf die Personenkreise wie Staatsfeinde, Journalisten, Flüchtlinge, kontroverse Meinungen oder Polizeibeamte empfand man als unangemessen. Problematisch sei ferner die Überwachung von Schlafzimmern oder mittels Kopfhörern für Kinder. Die Kritik am System sei deplatziert „und für die Erfahrungen eines durchschnittlichen Verbrauchers mit einem VPN irrelevant.“

Mullvads Werbung – unsere Meinung

Mullvad hält die Entscheidung der Tochtergesellschaft der größten Fernsehsender Großbritanniens für „äußerst besorgniserregend, kafkaesk und orwellianisch„, zumal die britischen Entscheidungsträger die landesweite Zensur und Überwachung noch ausweiten wollen. Wir halten das eindeutig für staatliche Zensur und die Gründe für vorgeschoben. Der Videoclip mag ja viel zu lang und inhaltlich nicht nicht sonderlich aufregend sein.

Man sollte dennoch den Zuschauerinnen und Zuschauern die Fähigkeit zuschreiben, zu verstehen, was mit dem Fernsehspot gemeint ist. So viel Intelligenz sollte man den eigenen Bürgern schon zutrauen. Die Entscheidung, ob jemand das Thema für „irrelevant“ oder gar für zweideutig hält, sollte man in einer freien Gesellschaft den Menschen selbst überlassen. Eine offene, demokratische Gesellschaft, das möchte Großbritannien doch eigentlich immer noch sein, oder nicht?

Noch bevor die Plakatwerbung endgültig von den Wänden verschwinden musste, fuhren ein paar Techniker von Mullvad an die meist frequentierten Orte von London, um ihre Sicht der Dinge mit einem leistungsstarken Beamer an die Häuserwände zu strahlen. Viel mehr konnte man von Schweden aus nicht ausrichten.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.

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