Scattered Spider: Live gestreamter Cyberangriff endet mit 5,5 Jahren Haft
Scattered Spider: Live gestreamter Cyberangriff endet mit 5,5 Jahren Haft
Scattered Spider: Hacker-Duo erhält nach dem TfL-Cyberangriff 5,5 Jahre Haft. Millionen Datensätze gestohlen, Angriff sogar live gestreamt.
Social Engineering statt Zero-Day-Exploits
Millionen Datensätze kopiert – London kam glimpflich davon
Angriff über Stunden live übertragen
Zwei Lebensläufe, viele Warnsignale
Scattered Spider: Jagd auf eine unsichtbare Hacker-Group
Scattered Spider: Zwischen Krypto-Gewinnen und digitaler Machtdemonstration
Haftstrafe soll Signalwirkung entfalten
Ist Scattered Spider damit Geschichte?
Scattered Spider hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Synonym für moderne Cyberkriminalität entwickelt. Die Hacker-Group steht symbolisch für spektakuläre Social-Engineering-Angriffe und millionenschwere Cybercrime-Kampagnen. Aktuell hat ein britisches Gericht zwei Mitglieder der Gruppe zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihr Angriff auf Transport for London verursachte Schäden in Millionenhöhe. Teile ihrer Attacke übertrugen sie dabei live ins Internet.
Hinter einer der schwersten Attacken auf die kritische Infrastruktur Großbritanniens standen zwei junge Männer, die zum Tatzeitpunkt noch Teenager waren. Gemeinsam verschafften sie sich Zugriff auf die Systeme von Transport for London (TfL). Sie legten zentrale Online-Dienste lahm, stahlen die Daten von Millionen Fahrgästen und streamten ihre Aktion sogar live.
Wie die BBC berichtete, hat nun das Woolwich Crown Court in London zu dem Fall ein Urteil gefällt. Owen Flowers (18) und Thalha Jubair (20) müssen jeweils fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Für die britischen Ermittlungsbehörden ist das Verfahren ein Meilenstein im Kampf gegen die lose organisierte Hackergruppe Scattered Spider, die seit Jahren weltweit Unternehmen und Behörden ins Visier nimmt.
Social Engineering statt Zero-Day-Exploits
Der spektakuläre Angriff begann bereits am Abend des 31. August 2024. Dabei setzten die Täter auf Social Engineering. Gegenüber dem Helpdesk von TfL täuschten sie die Identität eines Mitarbeiters vor. Durch geschickte Manipulation überzeugten sie den Support davon, die Anmeldedaten eines Beschäftigten zurückzusetzen. Dies öffnete ihnen die Tür zu internen Microsoft-Azure-Systemen.
Von dort aus arbeiteten sich die beiden Hacker dann weiter nach oben vor. Sie erweiterten zunächst ihre Berechtigungen und legten eigene Administratorkonten an. Weiterhin errichteten sie dauerhafte Zugänge, die sie auch für ein wiederholtes Eindringen in das Netzwerk hätten nutzen können. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft verfügten sie über die sprichwörtlichen „Keys to the Kingdom“, also Administratorrechte, mit denen sich so ziemlich sämtliche Bereiche der IT-Infrastruktur kontrollieren ließen.
Millionen Datensätze kopiert – London kam glimpflich davon
Während ihres mehrtägigen Aufenthalts im Netzwerk durchsuchten die Täter unter anderem die Kundendatenbank des Oyster-Systems. Dabei suchten sie gezielt nach Datensätzen prominenter Londoner. Zudem versuchten sie, Zugriff auf weitere sensible Informationen zu erhalten. Sky News zufolge erklärten die Ermittler, das Duo habe rund sechs Millionen Datenzeilen aus den kompromittierten Systemen gezogen.
Nach Darstellung der Anklage hätten die beiden Hacker sogar noch größeren Schaden anrichten können. Durch ihre weitreichenden Administratorrechte wäre es theoretisch möglich gewesen, große Teile der IT-Systeme von Transport for London vollständig lahmzulegen. Das schnelle Eingreifen der Sicherheitsverantwortlichen verhinderte nach Ansicht der Ermittler jedoch gravierendere Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr in der britischen Hauptstadt.
TfL reagierte entsprechend mit einer drastischen Notmaßnahme. Die Verkehrsbehörde trennte Teile seiner Infrastruktur vollständig vom Internet. Weil TfL dem eigenen Identitätssystem nicht mehr vertraute, mussten zudem rund 27.000 Mitarbeiter ihre Zugangsdaten vor Ort neu einrichten. Insgesamt waren 148 IT-Systeme zeitweise nicht mehr einsatzfähig. Auch Dienste wie Dial-a-Ride für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste sowie verschiedene Online-Angebote und Zahlungsfunktionen fielen teilweise über Wochen aus.
Die wirtschaftlichen Folgen waren hier erheblich. Nach aktuellen Angaben beziffert Transport for London den entstandenen Schaden auf rund 29 Millionen Pfund.
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