Viel mehr als Latein
„Ja, lasst sie halt die Messe auf Latein feiern!“ Das mag mancher denken, der vom eskalierenden Streit zwischen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. und dem Vatikan hört. Denn das auffälligste Merkmal der Traditionalisten ist die Messe: auf Latein, mit dem Rücken zum Volk.
Doch es geht nicht nur um Liturgie. Auch innerhalb der katholischen Kirche gibt es zahlreiche Anhänger der alten Messe. Wohl deshalb hat Papst Leo XIV. auf diesem Feld schon weitreichende Zugeständnisse gemacht. Sogar am Papstaltar im Petersdom durfte US-Kardinal Raymond Leo Burke mit Pilgern aus aller Welt tridentinisch feiern.
Dass die Großherzigkeit Leos keine Entspannung ins Verhältnis zu den Piusbrüdern gebracht hat, zeigt aber, dass die Messe nicht das Kernproblem ist. Sie ist nur ein Symptom für viel größere Verwerfungen. Und die betreffen vor allem das Kirchenbild, die Ökumene, die Religionsfreiheit und generell die Sicht auf die moderne Welt. Die katholische Kirche sei seit dem 2. Vatikanischen Konzil dem Zeitgeist erlegen, ist die traditionalistische Grundthese. Allein die Piusbruderschaft, die ihren Hauptsitz in Ecône in der Schweiz hat, sei die Hüterin der einzig wahren, ewigen Lehre.
Gegründet wurde die Bruderschaft 1970 aus genau diesem Grund: die Wahrheit zu bewahren. Rom........
