Das Gemeinsame formt die Gemeinde
Westeregeln kennen vermutlich nicht so viele Menschen. Der Ort im Westen des Salzlandkreises hat knapp 1600 Einwohner. 73 davon sind katholisch. In ihrer Kirche St. Mechthild findet alle zwei Wochen im Wechsel eine Sonntagsmesse und eine Wort-Gottes-Feier statt. Äußere Umstände, die anderswo genauso sind. Und doch ist diese Gemeinde besonders, denn ihr gelingt ein lebendiges Gemeindeleben.
Davon erzählte der Westeregelner Detlef Grau unserer Redaktion. Natürlich, weil er stolz darauf ist. Aber er hat noch einen anderen Grund: „Wenn wir zeigen, wie bei uns im Ort ein lebendiges Gemeindeleben möglich ist, können wir anderen Mut machen und vielleicht ein paar Ideen mitgeben.“
Er hat eine „Jahresübersicht der Aktivitäten 2026 in St. Mechthild“ dabei. Sie listet 28 Ereignisse der Gemeinde auf. Von den Sternsingern über gemeinsames Basteln, Kirchenputz, Rosenkranzgebet, Familienwallfahrt bis Taizé-Gebet und Adventssingen. Manches findet mehrmals statt, manches einmal im Jahr. Teilweise sind die Veranstaltungen über Jahre gewachsen, teils finden sie erstmals statt.
Die bekannteste und traditionsreichste Veranstaltung ist das Adventssingen. Egon Schmidtke hatte vor zehn Jahren die Idee, in St. Mechthild gemeinsam Adventslieder zu singen. Damals kamen am ersten Adventssonntag 20 Menschen in die Kirche. Deshalb wiederholten sie das Singen im Jahr darauf, wieder am ersten Sonntag im Advent. Es kamen mehr Gäste. Das ging – trotz Unterbrechung durch Corona – so weiter. Voriges Jahr füllten dann sagenhafte 120 Personen die Kirche und sangen mit.
Dabei sei es tatsächlich ein Programm mit Adventsliedern, die vielen Besuchern nicht so bekannt sind wie mancher Weihnachtsklassiker. Doch die harmonische Stimmung sorgt für Mundpropaganda und immer mehr Zuspruch: Vor der Kirche steht dann ein Pavillon. Lichter leuchten. Im Anschluss gibt es Glühwein und Plätzchen. Für viele sei das Adventssingen gesetzt und gebe den Anstoß für die Vorweihnachtszeit, erzählen Detlef Grau und Thomas Schmidtke.
Als sie hörten, dass andernorts ein Weihnachtslieder-Singen zwischen den Jahren stattfindet, überlegten sie sich das auch für Westeregeln. Aus christlicher Perspektive passt das, schließlich geht die Weihnachtszeit bis 6. Januar. Obendrein haben viele Menschen Ende Dezember Zeit. Und so steht nun im Kalender: 29. Dezember, 15 Uhr – Weihnachtslieder-Singen.
Sehen, ausprobieren, weiterentwickeln
So machen sie das in Westeregeln: Sie hören, dass etwas woanders funktioniert und probieren es selbst aus. Wenn sie Freude oder Erfüllung dabei haben, wiederholen sie es, sagen Grau und Thomas. Die beiden haben in der Gemeinde keine gewählte Funktion, betrachten sich auch nicht als Sprecher, sondern als zwei Teile des Ganzen, weder herausgehoben, noch besonders.
Für mich wirkt es aber so, als sei Detlef Grau der Netzwerker, das verbindende Element zwischen den vielen Kontakten. Denn zwei Tage vor dem Gesprächstermin vereinbaren wir ein spontanes Rosenkranzgebet. In der WhatsApp-Gruppe der Gemeinde schreibt der 64-Jährige: „Ihr Lieben, morgen kriegen wir Besuch! Der Tag des Herrn schickt eine Mitarbeiterin, um über uns in St. Mechthild zu berichten. Frau Reinard........
