„Ihre Weite knackt seine Enge“
Frau Professorin Knop, Jesus reagiert sehr abweisend gegenüber der Frau, die ihn bittet. Wie passt das zum gängigen Bild vom Menschenfreund?
Jesus agiert nach damaligen jüdischen Maßstäben erwartbar und normal. Er wusste sich zu den Kindern Israels gesandt, nicht zu allen Völkern. Im Lauf der Perikope weitet er seine enge Sicht. Dass wir uns darüber wundern, sagt mehr über unser Jesus-Bild aus als über den historischen Jesus.
Unser Jesus-Bild ist von den Dogmen des 4. und 5. Jahrhunderts geprägt, die in das große Glaubensbekenntnis mündeten. Jesus Christus wird darin als wahrer Gott und wahrer Mensch bekannt. Kontrovers war damals weniger, dass Jesus „ganz Mensch“ war. Kontrovers war vielmehr „ganz Gott“: Wie sollte man das denken? Bei uns ist es heute umgekehrt: Wir tun uns schwerer damit, dass Jesus ganz Mensch war. Manche sehen in ihm eine Art „Superman“, der alles konnte und wusste, nichts lernen musste und praktisch unfehlbar war. Das bleibt hinter dem Zeugnis der Bibel und auch hinter dem dogmatischen Stand der alten Kirche zurück.
Göttlichkeit und Menschlichkeit Jesu können nicht aufgerechnet oder gegeneinander ausgespielt werden. In Jesu Menschlichkeit zeigt sich, wie Gott ist. Jesu Menschsein macht Gott nahbar.........
